Seitenblick - Der Newsletter von Odysseus Kinesiologie & Coaching

Löffellisten, Al Capone und die Pharmafia

Meine Themen heute für Sie: Wer diktiert Ihre Löffelliste? | Die Sehnsucht nach einem Gefühls-Panzer | Seien sie vorsichtig mitmhm“, denn Frauen und Männer verstehen es ganz unterschiedlich | Heilsame Schönheit: Bäume tun uns gut | Wie Sie mit nur einem Finger überzeugen | Pharmaindustrie und organisiertes Verbrechen | Viel Vergnügen beim Lesen!

Dieser Newsletter ist zu 100 Prozent frei von KI. Was Sie hier lesen, ist auf meinem Mist gewachsen. Und bekanntlich wachsen auf dem Mist die schönsten Rosen.

Eine Bitte: Wenn Sie jemanden kennen, den das, was ich hier erzähle, interessiert, leiten Sie ihm diesen Newsletter weiter. Dankeschön!

Wolfgang Halder, Odysseus Kinesiologie & Coaching

Wer löffelt Ihre Löffelliste aus?

Im Dickicht der Freiheit können wir uns leicht verirren. Solch ein Dickicht ist eine Löffelliste (engl. bucket list), auf die wir Wünsche und Träume setzen, die wir uns erfüllen möchten, bevor wir den Löffel abgeben. Die entscheidende Frage dabei ist: Welche Quelle speist diese Liste?

Der Schriftsteller Oskar Maria Graf (1894-1967) erzählt in seinem Buch „Das Leben meiner Mutter“, daß diese nur einmal in ihrem Leben von Berg am Starnberger See, wo sie lebte, ins 6 Kilometer entfernte Starnberg gekommen sei. Das 30 km entfernte München, in dem König Ludwig II. residierte und für den Grafs Vater, ein Bäcker, extra weiche Semmeln gebacken hat, weil des Königs Gebiß ein Trümmerfeld war, hat sie nie im Leben gesehen.

Für Grafs Mutter war Leben nur Überleben. Damals war man schon zufrieden, wenn man überhaupt einen Löffel hatte – und vor allem etwas zu löffeln. Wir Heutigen haben den Luxus, Löffellisten erstellen zu können. Das ist fein. Und zugleich haben wir damit eine neue Variante, uns das Leben schwer zu machen.

Eine Löffelliste, die aus Druck entsteht – Das muß ich unbedingt noch machen!“ –, ist ein hochgradiger Stressor. Kommt dann noch das Gift des Vergleichens hinzu – „Vergleich ist des Glückes Tod“ –, gehen wir also in Konkurrenz mit dem, was Freunde, Bekannte, Verwandte tun oder posten, wird aus der Löffelliste schnell eine Versagensliste. Dann quälen wir uns mit Fragen wie „Warum schaffen die das und nicht ich?" – das ist nicht der Sinn einer Löffelliste.

Damit bin ich wieder bei der zentralen Frage: Welche Quelle speist Ihre Löffelliste?“ Ist es wirklich Ihre Liste, oder ist sie fremdbestimmt, diktiert von Moden, Meinungen und Wertsetzungen anderer.

Wie finden wir das heraus? Ganz einfach: Unser Körper sagt es uns. Der Körper lügt nicht, er kann nicht lügen. Er spricht ständig mit uns zu unserem höchsten Wohle, doch wir hören meist nicht hin

Hier die Anleitung zum Hinhören für Sie: Setzen Sie sich in einen Sessel, schließen Sie die Augen, atmen Sie ruhig, geben Sie sich das Thema „Was soll wirklich auf meine Löffelliste“ – und warten Sie dann, was geschieht.

Taucht z.B. der Wunsch „Ein Land auf jedem Kontinent besuchen“ auf, dann achten Sie darauf, was sich in Ihnen tut. Ist es neutral, also geschieht nichts? Spannt sich was an? Ist es irgendwie komisch

Dann ist das nicht Ihr Wunsch. Den haben Sie sich quasi eingefangen wie einen Schnupfen.

Wird’s Ihnen bei einem Wunsch warm ums Herz, oder kribbelt’s im Bauch, oder scheinen die Füße zu schweben, dann ist das ein klares Signal Ihres Körpers, daß es sich um einen ureigenen Wunsch von Ihnen handelt. Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur Ihre Reaktion. Und Sie spüren genau, was die Ihnen mitteilen möchte. Vertrauen Sie darauf.

Auf diese Weise können Sie die Liste durchgehen und haben am Ende Ihre wahre Löffelliste. Wenn dabei nichts vom Üblichen auftaucht – Safari in Ostafrika, Kreuzfahrt in der Antarktis, mit Delphinen schwimmen, einen Marathon laufen –, sei’s drum. Sie leben Ihr Leben

Trügerischer Schutz: der Gefühlspanzer

Immer wieder höre ich von Klienten Sätze wie diesen: „Ich bin zu feinfühlig und empfindlich. Ich wünschte, das wäre nicht so und ich hätte einen harten Panzer, der mich schützt!“

Die Augen der Klienten sprechen dabei eine noch deutlichere Sprache als ihre Worte, sie zeigen bitteres Leid, tiefen Schmerz und brennende Seelenqualen. Und die begleiten sie schon ihr ganzes Leben. Dann erzählen sie mir Geschichten von Mobbing, Ausschluß und Stigmatisierung aller Art. Und ich staune über die Vielfalt der Boshaftigkeit, zu der Menschen fähig sind.

Die anderen, die etwas bis deutlich grober gestrickten Menschen, gehen nicht zu einem Coach. Das wäre für sie ein Zeichen von Schwäche, denn sie verwechseln tumbe Kraft und wahre Stärke. Diese Menschen erlebe ich in Restaurants, im Zug, auf dem Amt, im Supermarkt. Sie sind die Mehrheit – und sie genießen ihren Mehrheits- mithin Machtstatus.

Hier zeigt sich der Webfehler der Demokratie, den schon Aristoteles auf den Punkt gebracht hat: „Was die Mehrzahl billigt, das muß in der demokratischen Staatsform das Gültige sein“ – auch wenn es nachweislich falsch ist

Ich mache mit meinen Klienten gern ein Gedanken- und Gefühlsexperiment und frage: „Wie wäre Ihr Leben, wenn Sie den gewünschten Gefühls-Panzer hätten?“

Zuerst nennen sie die Vorteile des vermeintlichen Ideals der Grobfühligkeit: Man wird nicht ständig verletzt, fühlt sich nicht gedemütigt und ausgeschlossen, gebrandmarkt und falsch. Doch recht schnell zeigt sich, wie hoch der Preis ist, den sie für die ersehnte Unempfindlichkeit zahlen müßten.

Ihr Leben wäre grau und eintönig, denn sie wären wie Farbenblinde und Taube auf einer Frühlingswiese. All das, was sie wahrnehmen und fühlen, nehmen die Groben nicht wahr und fühlen die Groben nicht. Nicht den Gesang der Amsel oder das Lächeln eines Kindes, das ihnen an der Hand der Mutter entgegenkommt, nicht die Biene an einer Blüte und nicht den heilenden Trost, den sie anderen Feinfühligen geben können.

Wenn ich dann frage: „Ihr Wunsch ist verständlich, doch wollen Sie die Panzerung wirklich und für immer?“ hat noch niemand „ja“ gesagt. Denn es wäre eine Art Selbstvernichtung. Nichts von dem, was ihnen das Leben lebenswert macht, wäre dann noch da. Sie wären Zombies.

Was meinen Sie, wenn Sie „mhm“ sagen

Welches sind die einfachsten Berufe der Welt? Film-Regisseur und Psychotherapeut. Als Regisseur brauchen Sie nur drei Wörter für Ihre Arbeit: „Und action“ wenn’s losgeht sowie „cut“ am Ende. Psychotherapeuten haben’s noch einfacher: Die kommen mit „mhm“ aus. Dieses „mhm“ streuen sie immer mal wieder ein, damit der Patient merkt, daß der Therapeut noch wach ist.

Wir Normalsterbliche brauchen zum Geldverdienen einen größeren Wortschatz. Doch „mhm“ haben wir auch im Repertoire. Und da wird es spannend, denn Frauen meinen mit „mhm“ etwas ganz anderes als Männer. Die Folge: Mißverständnisse, Knatsch, weniger Sex.

Das „mhm“ einer Frau zielt auf die Beziehungsebene eines Gesprächs, das „mhm“ eines Mannes dagegen auf die Sachebene. Sagt eine Frau „mhm“, meint sie damit: „Du hast meine Aufmerksamkeit; ich hör dir zu; sprich weiter.“ Also keinerlei Eingehen auf den Inhalt des Gesagten.

Sagt ein Mann „mhm“, demonstriert er damit seine inhaltliche Zustimmung zum Gehörten. Hört er einer Frau konzentriert zu, stimmt aber inhaltlich nicht mit ihr überein, hört sie kein einziges „mhm“ von ihm. Sie schließt daraus – ihrer eigenen „mhm“-Logik folgend – den Mann-Frau-Klassiker: Du hörst mir nicht zu!

Der umgekehrte Fall erzeugt ebenfalls Unmut: Der Mann erzählt, sie hört zu und läßt dabei ein „mhm“ aufs andere folgen. Er glaubt deshalb, daß sie ihm inhaltlich voll und ganz zustimmt – sonst würde sie ja nicht ständig „mhm“ machen. Zeigt sich im weiteren Verlauf des Gesprächs, daß sie ganz anderer Meinung ist, fühlt er sich verschaukelt und denkt sich: „Typisch Frau, erst hü dann hott, kein klarer Standpunkt“.

Diese klugen Erkenntnisse verdanken wir der Sprachwissenschaftlerin Deborah Tannen und ihrem Buch Das hab’ ich nicht gesagt! – Kommunikationsprobleme im Alltag. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie beim Lesen öfter mal „mhm“ machen.

Heilsame Schönheit: Bäume

„Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann und nicht beglückt sein, daß man ihn sieht?“, sagte Dostojewski. So geht’s mir auch. Deshalb zeige ich Ihnen hier besonders beglückende Bäume, an denen ich vorübergegangen bin. 

Bergahorn

Diese betagte Edelkastanie hat viel gesehen. Zum Beispiel Sigmund Freud, der 1905 im Gasthof „Bad Dreikirchen“, dessen Terrasse diese Kastanie veredelt, seine Sommerfrische verbrachte. Freud lobte an diesem Ort die „entzückende Einsamkeit. Berg, Wald, Blumen, Wasser und keine Menschen“. Zur Kastanie hat er sich nicht geäußert.
Beim Gasthof „Bad Dreikirchen“ hoch über dem Eisacktal bei Barbian

Gedanken-Pfeil

„Oft genügt es, mit dem Finger zu drohen. Am besten, indem man ihn an den Abzug legt.“
Al Capone (1899-1947)

Lesefrucht: Anmerkungen zur Pharmafia

Wer sind die wichtigsten Mitarbeiter eines Pharmaunternehmens? Nein, nicht die Pharmazeuten, nicht die Chemiker, nicht die Biologen. Die drei wichtigsten Mitarbeiter-Gruppen sind: erstens Juristen, zweitens Juristen und drittens Marketing-Fachleute. Dann kommt lange nichts – und dann erst die Pillen und Spritzen-Experten.

Warum dem so ist, erhellt schon allein aus der Tatsache, daß die Beipackzettel für ein und dasselbe Medikament für verschiedene Länder nicht einfach übersetzt sind, sondern jeweils ganz eigene sind. Was im  Beipackzettel steht, basiert also nicht auf wissenschaftlichen fundierten Erkenntnissenüber Wirkung (meist wenig) und Nebenwirkungen (meist viel), denn die wären überall gleich, sondern auf rechtlichen Erfordernissen. Die Juristen bestimmen, was drinsteht. Was das Medikament anrichtet, ist Nebensache – daß man deswegen nicht verklagt werden kann, ist die Hauptsache.

Diese Informationen hab’ ich aus dem Buch Tödliche Medizin und organisierte KriminalitätWie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert von Peter C. Gøtsche. Gøtsche ist Facharzt für innere Medizin und war Professor für klinisches Forschungsdesign am Rigshospitalet in Kopenhagen.

Sein Buch macht fassungslos, und es verführt einen zum Trinken. „Unglaublich! Nicht zu glauben, wie dreist diese Branche agiert. Jetzt brauch ich erstmal einen Cognac!“, denke ich alle paar Seiten. Was im Gesundheitswesen im Zusammenhang mit Pharmaunternehmen geschieht, ist viel schlimmer, als ich dachte.

Als heutige Lesefrucht habe ich für Sie Auszüge aus dem Kapitel „Organisiertes Verbrechen“. Lesen Sie – und halten Sie den Cognac bereit:

„Mit dem amerikanischen Gesetz RICO gegen das organisierte Verbrechen sollen die Mafia und vergleichbare kriminelle Organisationen bekämpft werden. Typisch für diese Gruppen ist, daß sie bestimmte Straftaten wiederholt begehen. Die Liste der Verbrechen ist lang: Erpressung, Betrug, Drogenhandel, Bestechung, Behinderung der Justiz, Beeinflussung der Zeugen, politische Korruption und andere mehr.

Die Pharmakonzerne begehen solche Straftaten andauernd; deshalb ist kein Zweifel daran möglich, daß ihr Geschäftsmodell die Kriterien für das organisierte Verbrechen erfüllt.

Eine ähnliche Meinung hat der ehemalige Marketingdirektor von Pfizer, der sich zum Informanten wandelte, als die Firma auf seine Beschwerden über illegale Marketingmethoden keine Reaktion zeigte:

,Es ist beängstigend, wieviele Ähnlichkeiten zwischen dieser Industrie und der Mafia bestehen. Die Mafia verdient obszön viel Geld, ebenso diese Industrie. Die Nebenwirkungen des organisierten Verbrechens sind Tötungen und Tote, genau wie in der Pharmaindustrie. Die Mafia besticht Politiker und andere, genau wie die Pharmaindustrie. Der Unterschied besteht darin, daß die Leute der Pharmaindustrie sich für gesetzestreue Bürger halten.’

Bestechung ist an der Tagesordnung, und es geht dabei um große Geldbeträge. Fast jede Berufsgruppe, die für die Industrie von Bedeutung ist, wird geschmiert: Ärzte, Krankenhausverwalter, Minister, Beamte in Gesundheits- und Finanzämtern, Mitarbeiter von Zulassungsbehörden und politische Parteien.

In Lateinamerika ist der Posten des Gesundheitsministers sehr gefragt, weil diese Politiker fast unweigerlich reich werden – durch Schmiergeld der Pharmaindustrie.

Wenn ein Verbrechen den Tod Tausender Menschen verursacht, sollten wir es als Verbrechen gegen die Menschheit betrachten. Ob Menschen von Waffen oder Tabletten getötet werden, dürfte bei der Beurteilung des Verbrechens keinen Unterschied machen. Wir erleben organisiertes Verbrechen in einer total verfaulten Industrie.“

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