Falsche Höflichkeit, digitale Distanz und gesunde Libido
Meine Themen heute für Sie: Wenn der Kinderwunsch auf einmal Wirklichkeit wird | Halbe Sache: digitales Distanz-Coaching | Klare Botschaften sind gut für Beziehungen | Heilsame Schönheit: Bäume tun uns gut | Brücken muß man wollen | Sex hält uns gesund | Viel Vergnügen beim Lesen!
Dieser Newsletter ist zu 100 Prozent frei von KI. Was Sie hier lesen, ist auf meinem Mist gewachsen. Und bekanntlich wachsen auf dem Mist die schönsten Rosen.
Eine Bitte: Wenn Sie jemanden kennen, den das, was ich hier erzähle, interessiert, leiten Sie ihm diesen Newsletter weiter. Dankeschön!
Wolfgang Halder, Odysseus Kinesiologie & Coaching
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Wenn's ernst wird mit dem Kind |
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Zu den schönsten Aspekten meiner Arbeit zählt es, wenn ich von einer Kinderwunsch-Klientin die E-Mail erhalte, daß sie schwanger ist. Bei so einer Nachricht muß ich jedes Mal weinen vor Freude.
Besonders ergriffen bin ich, wenn die Klientin nach fünf oder sechs mühsamen Jahren mit verschiedenen Varianten künstlicher Befruchtung auf natürlichem Wege schwanger wurde. Und das, obwohl sie schon kaum mehr geglaubt hatte, jemals noch Mutter zu werden.
Solch „erhörte Gebete“ sind wundervoll. Doch es gibt auch eine weniger freudvolle Variante: Da kommt die freudige Nachricht, daß die Klientin schwanger sei – und zugleich die zutiefst irritierte Ergänzung, daß der Mann seit dieser Gewißheit Schlafstörungen habe.
Da wird jemand klar: Jetzt ist es wirklich so weit! Jetzt wird es ernst! Das kann einem den Schlaf rauben. Denn Kinder-Wunsch und Kinder-Wirklichkeit sind zwei Paar Stiefel.
„Mit einem Kind wird wohl vieles anders“, höre ich oft in Sitzungen von Klienten. „Nein“, sage ich dann, „da wird nicht vieles anders, da wird alles anders. Für immer. Sie sind bis zum Ende ihres Lebens Vater. Und genau das ist es, was Sie wollen – auch wenn Ihnen das noch nicht wirklich klar ist, weil Sie gerade noch mit dem Wahnsinn des Kinderwunsch-Betriebs beschäftigt sind.“
Frauen ist das meist bewußt, zudem wachsen sie in den Monaten der Schwangerschaft langsam in die neue Wirklichkeit hinein. Das in ihnen wachsende Kind ist Wirklichkeit, wie sie wirklicher nicht sein könnte. Für Männer ist es noch ein Abstraktum. Wenn ein Kind auf der Anreise ist, ist es hohe Zeit für einen Mann, erwachsen zu werden. |
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Halbe Sache: digitales Distanz-Coaching |
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Ich halte nichts vom digitalen Distanz-Coaching mittels Zoom oder anderen technischen Krücken. Das hab’ ich hier schon öfter geschrieben. Kürzlich gab es ein unfreiwilliges Experiment im echten Leben, das mir wieder deutlich machte, daß Kontakt in der dreidimensionalen Realität der Königsweg im Umgang mit Menschen ist.
Ich hatte mit einer Freundin vereinbart, daß wir uns bei mir vorm Haus treffen, so daß ich ihr schnell etwas geben konnte, da sie gleich weiter mußte. Normalerweise ist es kein Problem für mich, so etwas einzuhalten. Doch ich hab’ sie versetzt. Was war geschehen?
Ich hatte vor dem Privattermin eine Coaching-Sitzung in meiner Praxis, die gleich bei mir ums Eck ist. Als wir das Problem des Klienten gerade so richtig am Wickel hatten, war die Sitzungszeit um. Doch ich hab’s nicht so mit dem Psychoanalytiker-Brauch, eisern nach 50 Minuten die Sitzung zu beenden, auch wenn der Klient gerade erzählt, daß der vorhabe, sich am Wochenende mitsamt seiner Familie auszulöschen. „Das scheint mir wichtig, Herr Müller. Doch das besprechen wir dann nächste Woche. Auf Wiedersehen.“
Also arbeiteten wir weiter. Beide voll präsent. Beide hoch konzentriert. Es ging noch eine Viertelstunde, dann war der Knoten gelöst.
Und nun kommt der entscheidende Punkt, weshalb ich das hier schreibe: Als der Klient weg war, hab’ ich in aller Ruhe die Praxis aufgeräumt: Kerze aus, Gläser weg, Papier in den Müll, Arbeitsmaterialien verstauen.
Erst als ich meine Praxis verließ und auf der Straße stand, stach mich mit einem Mal ganz heftig die Erinnerung, daß ich ja einen Termin mit einer Freundin hatte. Und zwar vor zehn Minuten! Sie stand auf der Straße, wartete ärgerlich auf mich und versuchte ständig, mich anzurufen. Doch da mein Telefon während einer Sitzung abgeschaltet ist, konnte sie mich nicht errreichen.
Zuerst ärgerte ich mich heftig über mich und war zerknirrscht, daß ich mein Versprechen nicht eingehalten hatte. Doch dann kam eine große Freude über mich! Denn ich begriff, was geschehen war: Ich war in der Sitzung voll und ganz für meinen Klienten da, weil meine Realität als Privatperson völlig ausgeblendet war, als ich mit ihm in Präsenz in der Praxis gearbeitet habe.
Hätte ich bei mir zu Hause am Schreibtisch per digitalem Distanz-Coaching gearbeitet und mit einem Klienten-Schatten auf der Mattscheibe „kommuniziert“, dann hätte ich den Termin mit der Freundin bestimmt nicht vergessen. Denn meine Privat-Realität wäre dabei immer präsent geblieben.
Ich hätte nervös auf die Uhr geschaut und überlegt, wie ich die Sitzung, obwohl sie für den Klienten noch nicht reif war, hätte abbrechen können, um meinen Privattermin einhalten zu können. Mit anderen Worten: Ich wäre wichtiger gewesen als der Klient.
Beim digitalen Distanz-Coaching verschwindet meine private Realität nie. Sie schiebt sich immer zwischen mich und den Klienten, macht sich wichtig, spielt sich auf. Da können die Verfechter des Distanz-Coachings noch so viel rationalisieren und versuchen, sich die Realität verbal bequem zurechtzubiegen. |
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Klarheit schlägt Höflichkeit |
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Höflichkeit ist eine feine Sache. In der richtigen Dosis, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Wenn sie aber aufgeschminkte Feigheit ist, wird Höflichkeit giftig – gerade in der Paar-Kommunikation.
Wie sieht das aus? Er will sich mit Freunden treffen, doch er ist zu feige, seinen Wunsch deutlich zu benennen. Statt dessen mutet er ihr Folgendes zu:
„Schatz, du weißt, wie wichtig mir meine Freunde sind. Ich weiß, daß du gern einen Abend zu zweit hättest, doch die Jungs haben mich eingeladen, und ich wäre gern mal wieder dabei. Ich will aber nicht, daß du dich vernachlässigt fühlst. Also, wenn du sagst, ich soll zu Hause bleiben, dann tue ich das. Ich gehe nur, wenn du damit einverstanden bist. Du hast es in der Hand, ich füge mich deiner Entscheidung. Also, was meinst du?“
Sagt sie nein, ist die Stimmung wie im Tiefkühlfach, und er ist tagelang grantig. Sagt sie ja, kocht in ihr der Groll auf ihn hoch, und sie ist tagelang grantig.
Bei meiner Arbeit mit Paaren erlebe ich dieses Muster immer wieder. Er glaubt, höflich und verständnisvoll zu sein. Doch bei ihr kommt diese passiv-aggressive Schein-Höflichkeit, mit der er ihr vermeintlich großzügig die Entscheidung überläßt, als Unverschämtheit an. Und gerade diese Plastik-Höflichkeit macht sie besonders wütend.
Zudem schiebt er ihr ungefragt die Verantwortung für die Entscheidung hinüber. Doch diese Verantwortung liegt klar bei ihm und nur bei ihm.
Wie könnte er seinen Wunsch besser in Worte fassen? Zum Beispiel so: „Ich will mich morgen abend mit den Jungs treffen. Nach der stressigen Woche brauche ich das. Stell dich bitte darauf ein.“
Davon wird sie nicht begeistert sein, doch nun hat sie es mit einem klaren Sachverhalt zu tun. Darauf kann sie sich einstellen. Und vor allem hat sie nicht das Gefühl, hinterlistig manipuliert zu werden.
Klare Botschaften sind wie ein offenes Feuer: Man sieht es und kann darauf reagieren. Feige Höflichkeiten sind wie ein Schwelbrand, der im Verborgenen tückisch frißt und die Substanz einer Beziehung zerstört. |
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Heilsame Schönheit: Bäume |
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„Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann und nicht beglückt sein, daß man ihn sieht?“, sagte Dostojewski. So geht’s mir auch. Deshalb zeige ich Ihnen hier besonders beglückende Bäume, an denen ich vorübergegangen bin.
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Als ich auf diese Edelkastanie zugeradelt bin, legte ich eine Vollbremsung hin. So angerührt war ich von ihrer Kraft und ihrer ramponierten Schönheit. Der Lebenskampf dringt ihr aus jeder Pore. Doch sie gibt nicht auf. Bei Raas, oberhalb des Klosters Neustift, Südtirol |
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„Es ist sinnlos, für jemanden eine Brücke zu bauen, der nicht auf die andere Seite will.“ Inschrift an einem Haus am Pustertaler Radweg bei Obervintl, Südtirol |
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Lesefrucht: Sex hält gesund |
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Sex und Leben sind eng miteinander verflochten. Das klingt banal, ist es aber durchaus nicht, gerade in unseren immer prüder werdenden Zeiten. Verglichen mit heute wirken die 1950er Jahre wie das wilde Rom der späten Kaiserzeit.
Ich habe es mehr als einmal erlebt, daß eine Kinderwunsch-Klientin mir verzweifelt erzählte, daß sie ihren Partner zum Sex fast schon nötigen mußte. Es gab immer einen Grund, weshalb es gerade nicht ging: zu müde, zu viel Arbeit, eine Vereinssitzung. Oder der potentielle Kindsvater ging lieber mit Freunden einen trinken, als sich mit seiner Frau zu vergnügen. Vater wollte er aber auch werden. Da wird’s dann schwierig ...
Über eine andere Facette der Verbindung von Sex und Leben bin ich kürzlich im Netz gestolpert: Der Sexualtrieb sei ein Indikator für das Sterberisiko bei Männern. Daß Sex und Gesundheit eng gekoppelt sind, weiß die TCM seit 5000 Jahren, ist also nichts Neues, doch viele Menschen nehmen etwas erst zur Kenntnis, wenn es mit „Studien“ und Zahlen bewaffnet daherkommt. Die naive Wissenschaft-als-Religion-Haltung unserer Tage eben.
Hier für Sie die Essenz dieser „neuen“ uralten Erkenntnisse:
„Dass langer Sexverzicht sowohl bei Männern als auch bei Frauen Auswirkungen auf den Körper hat, ist bekannt. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2022 zeigte zudem, dass es bei Männern einen starken Zusammenhang zwischen ihrem Sexualtrieb und ihrer generellen Gesundheit zu geben scheint. Das geht offenbar so weit, dass eine schwache Libido ihr Risiko, an Krankheiten wie z. B. Krebs zu sterben, deutlich erhöht.
In ihrer Studie bezogen sich die Forscher auf Daten von 20.969 Probanden im Alter von 40 Jahren und älter. Davon waren 8.558 Männer und 12.411 Frauen. Sie hatten sich über eine Zeitspanne von sechs Jahren medizinisch untersuchen lassen.
Die Wissenschaftler der japanischen Yamagata University analysierten die Gesundheitsdaten bezüglich des Sexualtriebs der Probanden bei ihrer Erstuntersuchung und zum Zeitpunkt einer weiteren Abfrage ihrer Daten Jahre später. Überdies betrachteten die Forscher die Todesfälle und die Todesursachen, um einen möglichen Zusammenhang zwischen Libido und Gesundheit bzw. Sterberisiko zu ermitteln.
Von den 20.969 Studienteilnehmern verstarben im Studienzeitraum 503 Personen. Von diesen starben 67 Menschen an einer Herzerkrankung, während 167 einer Krebserkrankung erlagen.
Männer mit schwächerem Sexualtrieb hatten ein signifikant erhöhtes Sterberisiko, und zwar für alle betrachteten Todesursachen (Krebs, Herzerkrankungen) im Vergleich zu Männern, die mehr Lust auf Sex hatten.
Ein Ergebnis, das auch Bestand hatte, nachdem Risikofaktoren wie Alter, BMI, Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörung, Rauchen, Alkoholkonsum, Bildung und Beziehungsstatus berücksichtigt worden waren. Auch mentale Faktoren wie Häufigkeit von Lachen oder psychischer Stress änderten an dem Studienergebnis nichts.
Während der Sexualtrieb bei Männern also einen Indikator für ihr Sterberisiko darzustellen scheint, konnten die Forscher in ihrer Studie keinen ähnlichen Zusammenhang bei Frauen feststellen. Frauen hatten zwar häufiger Probleme mit ihrem Sexualtrieb – oder waren eher bereit, dies zuzugeben – als Männer, aber dies hatte laut der Analyse keinen signifikanten Einfluss auf ihr Sterberisiko.
Eine kausale Erklärung kann die Studie nicht liefern. Die Wissenschaftler haben aber Vermutungen, wieso der Sexualtrieb bei Männern eine derart fatale Wirkung auf die Gesundheit haben könnte. So ist eine Annahme, dass die geschwächte Libido mit einem ,ungesunden Lebensstil’ einhergehe. Des Weiteren schreiben sie: ,Wenn wir davon ausgehen, dass sexuelles Interesse mit positiven psychologischen Faktoren zusammenhängt, dann kann das Fehlen von Interesse eine Reihe von entzündlichen, neuroendokrinen und immunologischen Reaktionen beeinflussen.’ Um aus den Vermutungen Fakten zu machen, sei aber weitere Forschung notwendig.“ (Der ganze Artikel.) |
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