Im September 2025 waren Frau E. und ihr Mann zum erstenmal bei mir. Ihr Anliegen: Kinderwunsch, sie wollen endlich Eltern werden. Frau E. ist 37 und wird seit vier Jahren durch die Mühlen der Kinderwunsch-Kliniken gedreht. Es ist ein erbarmungsloses Programm, das Nerven, Geldbeutel, Beziehung und Selbstwert extrem belastet.
Fünfzehn Transfers haben sie hinter sich. Fünfzehnmal vergeblich gehofft. Fünfzehnmal bitter enttäuscht. Ihr Leben wird bestimmt von Verzweiflung, Zweifel und Ohnmacht. Die eine große Frage quält sie: Was ist falsch mit mir? Was ist falsch mit uns?
Nun sitzen die beiden bei mir. Ich mache mit neuen Klienten in der ersten Sitzung immer das Satzergänzungs-„Spiel“ mit „Die Welt ist voller ...“. Sie sollen mit ihrer ersten Assoziation antworten. Jede Zehntel-Sekunde Nachdenken ist zuviel. Der erste Impuls zählt. Die beiden sagen zeitgleich und ohne zu zögern: „Wunder“. – „Die Welt ist voller Wunder“. Was für ein Satz! Was für eine wunder-volle Einstellung zum Leben kommt darin zum Ausdruck.
Als ich Frau E. letzte Woche fragte, ob ich aus ihrer Geschichte einen Beitrag für meinen Newsletter machen dürfe, antwortete sie: „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie daraus einen Beitrag machen. Wenn damit nur eine verzweifelte Seele erreicht wird, ist das schon wunderbar. Wir würden sehr gerne dazu beitragen, anderen Mut zu machen.“
Hier also die Geschichte von Frau E., deren Kind im Herbst das Licht der Welt erblickt. Auf der Welt ist es jetzt schon, neun Monate lang im Bauch der Mutter – im Paradies.
Wenige Tage nach unserer zweiten Sitzung im Herbst 2025 bekam ich von Frau E. folgende E-Mail:
„Ich möchte den nächsten Termin absagen. Nach vier Jahren mit so vielen Terminen, habe ich das Gefühl, ich brauche eine ,Terminpause'. Wir haben sehr viel Geld ausgegeben. Die beiden Termine bei Ihnen waren wertvoll für uns. Für mich ist nicht absehbar, wieviele Termine ich zum Lösen der Blockaden benötige. Irgendwie hängen wir in dieser ,Selbstzahlerspirale’ fest. Das setzt mich unter Druck. Es liegt keinesfalls an Ihnen persönlich. Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt sehr wohl gefühlt und kann mir gut vorstellen, mich wieder bei Ihnen zu melden.“
Da ich finde, daß ein Kinderwunsch nicht am Geld scheitern sollte, antwortete ich Frau E.: „Danke für Ihre klaren Worte. Ich verstehe Ihre Beweggründe sehr gut, und zugleich fände ich es sehr schade, wenn wegen dieser äußeren Umstände Ihre Reise zum Kind schon endet. Deshalb möchte ich Ihnen folgenden Vorschlag machen: Wir gehen gleich in die zweite Phase, bei der Sie nur bei Erfolg, also bei Schwangerschaft, eine Rechnung bekommen. Und das rückwirkend ab der letzten Sitzung.“
Zur Erläuterung: Bei Kinderwunsch arbeite ich mit einem Zwei-Phasen-Modell. Zuerst kommt die Aufräumphase, eine Art emotional-energetische Entrümpelung. Da gibt es für jede Sitzung eine Rechnung. Meist dauert diese Phase drei bis sechs Sitzungen.
Danach kommt die zweite Phase, die Nährphase. Da machen wir das erste Kinderzimmer so hübsch, daß ein Kind gern darin entstehen möchte. Wichtig: Das erste Kinderzimmer ist kein Raum in einem Gebäude, es ist die Mutter, in der das Kind wachsen wird.
In dieser zweiten Phase arbeite ich auf Erfolgsbasis: Eine Rechnung für die Sitzungen stelle ich nur, wenn die Klientin schwanger wird.
Frau E. hat mein Angebot angenommen, und wir haben weitergearbeitet. Was geschah in den Sitzungen? Frau E. war tief enttäuscht vom ganzen Kinderwunsch-Betrieb, von den Ärzten bis zu den Heilpraktikern. Immer wieder wurde sie mit Heilversprechen und Lügen bedacht. Sie fühlte sich verraten und im Stich gelassen. Das führte sie in eine abgründige Verzweiflung, und nach Jahren des vergeblichen Hoffens und des Gefühls, an der Nase herumgeführt zu werden, setzte sich in ihr das Gefühl fest: „Ich bin falsch! Ich bin keine richtige Frau“.
Das Selbstwertgefühl von Frau E. war nahezu vollkommen zerstört. Daran haben wir gearbeitet.
Und dann geschah das erste „Wunder“. Nach einer Sitzung sprach Frau E. mit ihren Schwiegereltern, die bis dahin mit dem Leid ihrer Schwiegertochter überfordert waren. Ich werde nie vergessen, wie sie mir mit leuchtenden Augen von dem Gespräch erzählte, das sie initiiert hatte.
Nun wurde sie verstanden. Besser noch: Nun hatte sie mit ihrem Mut und ihrem wachsenden Selbstwert den Stier bei den Hörnern gepackt und gezeigt – vor allem sich selbst! –, daß sie das kann. Daß es ihr gut tut. Daß es allen in der Familie gut tut.
Weiter ging es mit den Stimmen. Alle möglichen Stimmen – die von Ärzten, Freunden , Verwandten, Kollegen – quatschten sie voll und fraßen permanent an ihr mit Vorwürfen und Zweifeln. Diese Stimmen hat Frau E. nicht bekämpft, um sie loszuwerden, nein, wir haben sie gemeinsam sanft verabschiedet.
Kaum waren die Störenfried-Stimmen weg, kam eine andere Stimme, die ihrer Mutter, direkt von vorne, und sagte zu ihr: „Vertraue dem Leben“. Das war das zweite „Wunder“.
Nach dieser Sitzung spiegelte ihr Umfeld Frau E., daß sie eine neue Ebene erreicht hatte. Wie ruhig, gelassen und positiv sie sei, hörte sie allenthalben.
Und noch etwas tat sich: Frau E. hatte wieder Sex aus Spaß an der Freude. Ohne zu rechnen. Ohne zu kalkulieren. Nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Quelle von Lebensfreude und Lebendigkeit. Zudem haben wir mit Träumen gearbeitet, und Frau E. hat ein Traumtagebuch geführt.
Dann kam Weihnachten – und damit die Angst. Denn in den letzten Jahre scheiterten die Versuche, endlich schwanger zu werden, immer wieder zur Weihnachtszeit. Dazu haben wir mit den Chakren gearbeitet und so den Angst-Knoten gelöst.
Zum Abschluß gab’s eine kinesiologische Musik-Balance mit Robert Schumanns wundervollem Klavierlied „Mondnacht“, das schon bei einigen meiner Klientinnen den Kinder-Schalter umgelegt hat. Frau E. hatte dazu den Satz: „Wir vertrauen dem neuen Leben“. Damit war das „Wunder“ vollendet.
Wenig später schrieb Frau E. mir: „Lieber Herr Halder, unser Kindchen ist schon 3,4 mm groß, und das kleine Herzchen schlägt regelmäßig. Ich bin zwischen der sechsten und siebten Woche. Wir sind unglaublich glücklich und dankbar.“
Letzte Woche kam von Frau E. wieder eine E-Mail, die mich zu diesem Beitrag inspirierte. Schon bei der Betreffzeile „Sonne im Bauch“ wußte ich, daß es Frau E. und ihrem Kind gut geht:
„Sehr geehrter Herr Halder, wie geht es Ihnen? Sie glauben gar nicht, wie oft ich an unsere Gespräche denke. Unser Kindchen wächst, und wir durften bereits seinem kleinen Herzen beim Schlagen zuhören. Unglaublich und mit Worten nicht zu beschreiben.
Der Gedanke ,Wir vertrauen dem neuen Leben’, begleitet uns täglich. Die Karteikarte ist fester Bestandteil unseres Alltags geworden und eine liebgewonnene emotionale Stütze.“
Im September gibt es ein Gesichtchen zum Herzschlag dieses neuen Lebens. Ich freu' mich jetzt schon auf die E-Mail mit dem Bild!