Seitenblick - Der Newsletter von Odysseus Kinesiologie & Coaching

Jammerer, fraglose Ärzte und Gelassenheit

Meine Themen heute für Sie: Zum Davonlaufen: Menschen, die sich ständig entschuldigen | Das Rätsel Generation Z | Warum sind Ärzte nicht neugierig? | Heilsame Schönheit: Bäume tun uns gut | Wenn Intelligenz beleidigt | Passend zum Frühling ein Herbst-Gedicht | Viel Vergnügen beim Lesen!

Dieser Newsletter ist zu 100 Prozent frei von KI. Was Sie hier lesen, ist auf meinem Mist gewachsen. Und bekanntlich wachsen auf dem Mist die schönsten Rosen.

Eine Bitte: Wenn Sie jemanden kennen, den das, was ich hier erzähle, interessiert, leiten Sie ihm diesen Newsletter weiter. Dankeschön!

Wolfgang Halder, Odysseus Kinesiologie & Coaching

„Es tut mir leid!“

Der Klagen über die ach so schrecklichen Narzißten gibt es viele. Diese seien nicht in der Lage, sich für Fehlverhalten zu entschuldigen, ein „Es tut es mir leid“ komme ihnen nie über die Lippen. Das stimmt, doch mittlerweile gibt es wahrscheinlich mehr Bücher, Videos und Podcasts über Narzißten als Narzißten.

Zudem sind Narzißten recht simpel gestrickt. Hat man ihr Strickmuster einmal erkannt, kann man sie leicht in die Richtung bewegen, in der man sie haben möchte.

Eine andere Gruppe unangenehmer Zeitgenossen – und sie ist bei weitem größer – sind die Leute, die sich ständig entschuldigen und die Multimillionäre wären, wenn sie für jedes „Es tut mir leid!“ einen Euro bekämen.

Sie nutzen die billige Formel „Es tut mir leid!“ wie die Gefängnisfreikarte bei Monopoly. Karte spielen und dann genauso weitermachen wie vorher. Das ist das Lästige und Zermürbende an diesen Menschen.

Sie ändern nichts, aber auch gar nichts an ihrem Reden und an ihrem Tun, denn sie glauben, mit einem dahingejammerten „Es tut mir leid!“ sei alles wieder gut. Der Dispo steht wieder auf Null. Das Überziehen kann von vorne losgehen. Doch die Zinsen zahlen die anderen, die, die mit einem „Es tut mir leid!“ abgespeist werden.

Verantwortung kennen die „Es-tut-mir-leid!“-Jammerer nicht. Daß Worte und Taten Folgen haben, die mit einem „Es tut mir leid!“ nicht aus der Welt zu schaffen sind, wollen die Jammerer nicht wahrhaben. Da müßten sie sich ja mal mit sich selbst befassen. Das ist ihnen viel zu anstrengend. Gedanken- und Rücksichtslosigkeit sind weit angenehmer. Ein „Es tut mir leid!“ kostet nichts, vor allem keine Reflexion über das eigene Tun und Lassen.

Warum läuft das so? Weil die Jammerer viel zu häufig durchkommen mit ihrer Mitleids-Tour. Doch wir tun ihnen keinen Gefallen damit. Ein klares „Stop! So nicht, und schon gar nicht mit mir!“ ist das Beste, was wir den Jammerern „antun“ können. Denn an dieser Grenze beginnt das persönliche Wachstum derer, denen ständig etwas leid tut.

Begegnungen mit der Generation Z

Kürzlich bekam ich eine Einladung zu einem Online-Kurs namens „The Leader in You“. Dort sollten Führungskräfte den richtigen Umgang mit der Generation Z lernen. Diese jungen Leute, so die E-Mail, hätten „keinen Bock auf Boß-Gehabe, sie wollten statt dessen „mit Respekt und echtem Dialog“ geführt werden.

Also solle man ihnen keine Arbeitsanweisung geben, sondern jeden Morgen die Frage stellen: „Was braucht ihr, damit ihr heute euer bestes Selbst ins Projekt bringt?“ Als ich das las, mußte ich laut lachen. Der Anbieter des Kurses kennt die Generation Z offensichtlich nur medial vermittelt und aus KI-Geschwurbel, nicht aus der Wirklichkeit.

In meinem früheren Leben war ich Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebs. Wenn ich die Krankheits-Statistik erstellte, ergab sich stets dasselbe Bild: Die drei jüngsten Mitarbeiter – allesamt Generation Z, also aus den Jahrgängen 1995-2010 – hatten zusammen mehr Fehl- und Krankheitstage als die dreißig Mitarbeiter über vierzig. Besonders anfällig waren die jungen Leute für die Freitag-bis-Montag-Grippe.

„Ich fühl’ mich nicht so gut“ war für die meisten Gen-Zler Grund genug, sich krankzumelden. Und die Ärzte stellten ihnen immer willfährig eine AU aus. Die Arbeit mußten die anderen machen. Die, die nicht mit ihrem „besten Selbst“ befaßt waren und die so dumm waren, sich nicht bei jeder noch so kleinen Unpäßlichkeit krank zu melden. 

Hätten alle Mitarbeiter sich wie die Gen Z verhalten, hätten wir den Laden dichtmachen können.

Eine weitere Lebenswirklichkeit, in der ich die rätselhaften Verhaltensweisen der Generation Z erlebe, ist die Gastronomie. Als Student arbeitete ich nebenbei als Barkeeper. Ganz klassisch mit schwarzer Hose, weißem Hemd und langer weißer Schürze. Das erste und wichtigste, was ich lernte, war volle Präsenz und Aufmerksamkeit für den Gast (genau wie bei einem Coaching!). Ich witterte quasi, daß jemand ein weiteres Getränk möchte, bevor ihm selbst das Verlangen danach bewußt war.

In einem Münchner Restaurant-Café, in dem ich regelmäßig zu Gast bin, erlebe ich ständig das Gegenteil. Die Gen-Z-Kellner, die meisten Frauen, gucken nach unten. Immer. Ob mit vollem Tablett oder einem leeren Glas in der Hand. Der aufrechte Gang wird negiert. Der Kopf neigt sich nach unten, die Augen starren auf die Füße. Das Gesicht grimmig-verbissen. Das ist die Normal-Haltung der Smartphone-Autisten im Alltag: den Blick immer nach unten aufs Brettchen in der Hand.

Der gesenkte Kopf und der gesenkte Blick sind für mich das Merkmal der Generation Z. Der Blick aufs Smartphone ist wichtiger als der Blick in die Welt. Die Gen Z glaubt wirklich, daß das, was in dem Brettchen in ihrer Hand geschieht, etwas mit Leben zu tun habe.

Den Gast kann man mit Blick nach unten nicht wahrnehmen. Der muß durchs Lokal rufen oder aufstehen, um die Kellnerin zu suchen, die in einer Ecke hockt und dort mit ihrem Smartphone befaßt ist. Blick nach unten, was sonst …

Der Chef-Kellner, ein Boomer wie ich, bewegt sich erhobenen Hauptes und lächelnd zwischen den Tischen – ein leichtes Zucken mit den Augenbrauen reicht, und er weiß, daß ich was möchte.

Als Erklärung für die Weltsicht und das Verhalten der Generation Z werden „Krisenerfahrung“ und „Zukunftsangst“ angeführt. Das Leben dieser Generation im Zeichen von „Klimakrise“, „Pandemie“ und „Krieg“ führe zu ihrem pessimistischen Blick auf die Zukunft.

Was für ein schwachbrüstiges Argumentchen! Die Boomer wuchsen mit der Angst vor einem Atomkrieg auf. Ich war lange Zeit fest davon überzeugt, meinen 20. Geburtstag nicht zu erleben, weil vorher bestimmt die Bombe fallen würde.

Das war eine reale Gefahr. Hinzu kam die von den Medien betriebene Angst-Pornografie mit all den erfundenen oder maßlos übertriebenen Gefahren: „Grenzen des Wachstums“, „Global 2000“, „Waldsterben“, „Ozonloch“ und „AIDS“. Lauter Schreckensvisionen, die allesamt nicht oder nur zum Teil eingetreten sind. Was die Medien, die damit hausieren gegangen sind, dann verschwiegen haben.

Kurzum: Nach der Krisen-Logik müßten die Boomer genauso sein wie die Generation Z. Doch die Boomer haben nicht aufgehört zu leben, wiewohl sie mit der Bombe rechneten. Morgen verglühe ich womöglich im Atompilz – doch das ist kein Grund, den ganzen Tag im Bett zu liegen und zu jammern. Warum sich vom Atomkrieg die Stimmung verderben lassen?

Heaven 17, eine meiner Lieblingsbands der frühen 1980er, hatte den passenden Song dazu: „Let’s All Make a Bomb“ mit der Textzeile „Although our future's looking black / Let's celebrate and vaporize (Auch wenn unsere Zukunft schwarz aussieht / Laßt uns feiern und verdampfen). Das Video zum Song endete denn auch mit einem Atompilz.

Die Boomer haben sich von einem real möglichen Atomkrieg nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Warum zittert die Generation Z so vor einer medial inszenierten „Klimakrise“ und einer ebenso medial inszenierten „Pandemie“?

Was mich am meisten erschüttert, ist die Lebensangst der Generation Z. So viel Lebensangst! Und kaum eine Spur von Lebenslust oder gar Lebenshunger. Das tut mir schon beim Wahrnehmen und beim Niederschreiben weh. Dieser herzzerreißende Grauschleier in den Augen der Generation Z. Das ist für mich ein weiteres Kapitel im Buch namens „Die Mysterien des Menschen“.

So, nun hab’ ich’s mir mit allen Generation-Z-Lesern verdorben und gehe in mein Lieblings-Café, in der Hoffnung, daß mein Boomer-Generations-Kollege heute Dienst hat ...

Warum fragen Ärzte nicht?

Immer wieder erlebe ich im Coaching-Alltag Szenen wie diese: Ein Klient schildert mir seine Not, seine Symptome und seine Wünsche. Bei den Symptomen – von Schlafstörungen über Rückenschmerzen bis zu Herzproblemen – frage ich: „Als das Symptom zum ersten Mal auftrat, was war da los in Ihrem Leben?“

Bei dieser Frage bekommen die Klienten große Augen, richten sich auf, rutschen nach vorne, schauen mich gleichermaßen überrascht wie erfreut an und sagen: „Das hat mein Arzt mich nie gefragt“.

Ja, Ärzte fragen kaum, und vor allem hören sie nicht hin. Das kenne ich auch aus der Zeit, als ich noch zu Ärzten gegangen bin (mehr dazu in meinen Arzt-Geschichten). 

Nach dem ersten Erstaunen erzählen mir die Klienten dann Geschichten großer bis extremer Belastungen: die Mutter an Krebs gestorben, das Kind schwer krank, überraschend arbeitslos. All das hat aus normal-medizinischer Sicht nichts, aber auch gar nichts mit dem Symptom zu tun, das zufälligerweise zeitgleich aufgetreten ist.

Wundersamerweise verändern sich die Symptome dim Lauf unserer gemeinsamen Arbeit, obwohl ich als Kinesiologe und Coach nicht mit Symptomen arbeite. Es hilft nichts, am Lämpchen im Armaturenbrett herumzuschrauben, das einen Mangel an Motoröl anzeigt – da braucht es frisches Öl.

Immer noch sind die meisten Ärzte gefangen in einem simpel gestrickten reduktionistischen Maschinendenken, das mit einem naiven Technik-Fetischismus gepaart ist. Sie sind stolz darauf, im Studium brav und fleißig viel auswendig gelernt zu haben. Doch in Zusammenhängen wahrzunehmen und zu denken, das können die meisten immer noch nicht.

Heilsame Schönheit: Bäume

„Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann und nicht beglückt sein, daß man ihn sieht?“, sagte Dostojewski. So geht’s mir auch. Deshalb zeige ich Ihnen hier besonders beglückende Bäume, an denen ich vorübergegangen bin. 

Bergahorn

Was sehen wir hier? Umarmt die Fichte die Buche? Oder kämpft die Buche mit der Fichte? Vom Baum-Versteher Peter Wohlleben wissen wir, daß Fichten und Buchen verschiedene Sprachen sprechen und daß Buchen gern mit Buchen zusammen sind und Fichten gern mit Fichten. Mein Foto zeigt also eine Mesalliance. Der letzte Schnee dieses Winters zu beider Füßen beschenkt sie mit ihrem Lebens-Elixier Wasser.
Bei Kochel am See

Gedanken-Pfeil

„Die Toleranz wird ein solches Niveau erreichen, daß intelligenten Menschen das Denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen.“
Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881)

Lesefrucht: Nach Hause wehen ...

Egal, mit welchem Thema ein Klient zu mir kommt, mehr Gelassenheit wünscht sich fast jeder. 

Gelassenheit, das bedeutet: sich weniger aufregen, mit den eigenen Gefühlen und Gedanken souverän umgehen können, friedlich und ruhig das Leben und die Welt wahrnehmen und annehmen, mehr bei sich sein statt bei irgendwelchen unwichtigen Dingen im Außen und das Richtige zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Art und Weise tun.

Die Natur kann das, denn es ist ihre Natur. Hermann Hesse hat das in seinem Gedicht „Welkes Blatt“ (1933) wunderbar in Verse gefaßt. Hören Sie den Meister und lassen Sie sich „nach Hause wehen“:

Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.

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