Zwei Fragen ins Glück, Umarmungen und Psychopathen
Meine Themen heute für Sie: Entdecken Sie mit zwei einfachen Fragen das Gold in Ihrem Leben | Wichtiger als jede App: Umarmungen | Spüren Sie den Psychopathen in sich? | Die Köngsdiziplin: auf sich selbst hören | Heilsame Schönheit: Bäume tun uns gut | Wasser ist wichtiger als die Pille, die man damit schluckt | Warum die Welt voller Gerede ist | Viel Vergnügen beim Lesen!
Dieser Newsletter ist zu 100 Prozent frei von KI. Was Sie hier lesen, ist auf meinem Mist gewachsen. Und bekanntlich wachsen auf dem Mist die schönsten Rosen.
Eine Bitte: Wenn Sie jemanden kennen, den das, was ich hier erzähle, interessiert, leiten Sie ihm diesen Newsletter weiter. Dankeschön!
Wolfgang Halder, Odysseus Kinesiologie & Coaching
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Zwei Fragen, mit denen Sie Ihr Leben verbessern |
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Seit vielen Jahren wird uns allüberall um die Ohren gehauen, wir sollten „positiv denken“. Mit Büchern und Kursen dazu kann man viel Geld verdienen. Am besten online, dann läßt sich derselbe Quark ohne Mehraufwand beliebig oft verkaufen.
Das Ganze hat einen Haken: „Positives Denken“ bringt niemandem etwas. Denn Denken, aus dem kein Handeln entspringt, ist unfruchtbar.
Der Ausgangspunkt der Positiv-denken-Ideologie ist richtig: Negatives ständig zu betrachten, darüber nachzudenken und zu grübeln ist destruktiv und schadet uns.
Die sinnvolle, weil fruchtbare Alternative dazu ist aber nicht, sich alles schön positiv zu denken und sich Affirmationen an den Spiegel zu kleben. Das ist wie ein Pflaster auf einem Knochenbruch. Es gilt, das Negative als Steinbruch zu nutzen, in dem wir unser Gold finden. Dafür braucht es nur zwei Fragen:
- Was ist gut in meinem Leben?
- Was gilt es zu tun?
Mit „Was ist gut in meinem Leben?“ machen Sie all das Gold wieder sichtbar, von dem Sie ständig umgeben sind und es deshalb nicht mehr wahrnehmen. Auf einmal glänzt und leuchtet es überall um sie herum!
Das ist schön, doch die entscheidende Wendung kommt mit der Frage „Was gilt es zu tun?“ Sie ist zugleich der ausschlaggebende Unterschied zum hilflos-verzweifelten „positiven Denken“.
Denn damit verlassen Sie die Ebene des Denkens und kommen ins Handeln. Da, und nur da, findet Veränderung, findet persönliches Wachstum statt.
Was geht da vor sich? Eine Art Alchimie: Sie leiten aus dem Negativen, das nach der Beantwortung der ersten Frage als Kontrast deutlich hervortritt, einen Handlungsplan ab, was Sie an Ihrem Leben verbessern können. Sie machen aus Eisen Gold.
Mit dieser handlungsorientierten Haltung dem Leben gegenüber verlassen Sie die unfruchtbaren Wüsten des Leidens, Träumens und Hoffens. Damit ist Glücklichsein kein Wunsch mehr, sondern ein bewußtes Ziel.
Das tun, was getan werden muß, das ist der Königsweg zum Glück. Wenn Sie das Richtige tun, können Sie denken, was Sie wollen – es macht keinen Unterschied.
Beginnen Sie jeden Tag Ihres Lebens mit den beiden Fragen. Und staunen Sie, was dann geschieht … |
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Von der großen amerikanischen Psychotherapeutin Virginia Satir (1916-1988) stammt folgende wunderbare Erkenntnis: „Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wir brauchen 4 Umarmungen am Tag zum Überleben. Wir brauchen 8 Umarmungen am Tag zum Leben. Wir brauchen 12 Umarmungen am Tag zum Wachstum“.
So einfach ist es. So einfach könnte es sein!
Ein Smartphone anzufassen ist keine Umarmung. In einer Zoom-Konferenz gibt es keine Umarmungen. In einem Video-Chat umarmt man die Kinder oder Enkel nicht. Apps können nicht umarmen, KI kann nicht umarmen. Umarmungen sind analog.
Zählen Sie nicht Kalorien oder Schritte – zählen Sie Umarmungen. Denn die ermöglichen Ihnen und den geliebten Menschen in Ihrem Leben echtes Wachstum. |
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Sind Sie auch ein Psychopath? |
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Das „auch“ in der Überschrift bezieht sich auf mich. Ich lese gerade das Buch „Wie Psychopathen denken“ von Christopher Berry-Dee, in dem der Psychopathie-Test des kanadischen Kriminal-Psychologen Robert Hare erwähnt wird. Dessen PCL-R-Test gilt als Standardverfahren zur Diagnose von Psychopathie und als Goldstandard in der forensischen Diagnostik.
Der Autor des Buches warnt: „Der Test sollte nicht von Laien ausgeführt werden. Machen Sie deshalb zu Hause keine Selbstversuche damit, denn der Psychopathie-Test ist eine überaus gefährliche Angelegenheit.“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und hab’ den Test mit 20 Fragen sofort online gemacht. Mein Ergebnis: „Sie weisen einige Merkmale eines Psychopathen auf. Möglicherweise zeigen Sie jedoch auch Verhaltensweisen eines Soziopathen, da es hier einige Überschneidungen gibt“.
Das sitzt! Da erscheint mir so manches in meiner Lebensgeschichte in neuem Licht. Ich war schon kurz davor, meine Einweisung in die Psychiatrie zu beantragen, doch zum Glück hab’ ich erst noch weitergelesen. Und bei folgendem Zitat von Professor Hare war die Welt für mich wieder in Ordnung:
„Etwa ein Prozent der Menschen sind Psychopathen. Doch nicht alle werden kriminell. Im Gegenteil, aufgrund ihrer Wortgewandtheit und ihres Charmes sowie der Bereitschaft, rücksichtslos über andere hinwegzugehen, sind viele von ihnen äußerst erfolgreich. Sie werden Firmenbosse, Profi-Sportler und Politiker, die man für ihren Mut, ihre klaren Aussagen und ihre Bereitschaft, Hindernisse kurzerhand aus dem Weg zu räumen, schätzt.“
Ja, die Gesellschaft schätzt Menschen, die „rücksichtslos über andere hinweggehen“. Die passenden Namen aus Firmenboß-, Sportler- und Politiker-Kreisen können Sie sich selbst zusammenstellen. Ich danke Professor Hare für seine Aufklärung. |
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Der Königsweg: Auf sich selbst hören |
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Vor ein paar Tagen erhielt ich von einer Klientin (34) nach der ersten Sitzung eine E-Mail, die ich Ihnen hier – mit Einwilligung der Klientin – präsentiere, weil ich sie so beeindruckend und lehrreich finde:
„Die Zeit bei Ihnen war für mich sehr aufschlussreich, und ich finde Ihre Vorgehensweise sehr beeindruckend und interessant. Jedoch muss ich Ihnen leider mitteilen, dass ich denke, es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt für mich, noch eine ,weitere Baustelle’ in Angriff zu nehmen.
Allein die Tatsache, dass ich mittlerweile auf dieser Welt mehr Bäume als Idioten sehe (das bezieht sich auf die Frage ,Die Welt ist voller ...', die ich jedem Klienten in der ersten Sitzung stelle, W.H.) und ein aufmerksames Gehör für Vogelgesang habe (das bezieht sich auf das Vogelgezwitscher, das in meiner Praxis stets erklingt, W.H.), zeigt mir, dass ich im letzten Jahr schon große Fortschritte gemacht habe.
Ich habe mich in den letzten Monaten viel mit mir selbst beschäftigt und mir viel Zeit für mich genommen. Ich möchte diese neuen Erkenntnisse erst verinnerlichen und stärken, bevor ich auf meine Blockaden eingehen möchte. Ich würde mich gerne wieder bei Ihnen melden, wenn ich das Gefühl habe, dass ich soweit bin.“
Hut ab, dachte ich beim Lesen, diese junge Frau vertraut sich, sie hört auf sich und sie handelt entsprechend. Wie schön ist das! Und wie selten!
Und sie spricht weise vom „richtigen Zeitpunkt“. Die alten Griechen hatten für alle wichtigen Lebensprinzipien einen Gott, so auch für den richtigen Zeitpunkt. Das war Kairós, der Gott mit der Stirnlocke und der Hinterkopfglatze; daher kommt die Redewendung, eine „Gelegenheit beim Schopf packen“, eben den richtigen Zeitpunkt zu nutzen.
Wir können das Richtige auf die richtige Art und Weise und in der richtigen Menge tun – doch wenn wir es zum falschen Zeitpunkt tun, geht es schief. Deshalb ist beim Coaching und beim persönlichen Wachstum der Kairós ganz entscheidend.
Meine Antwort an die Klientin: „Ich liebe Klienten wie Sie, die auf sich hören und selbstbewußt ihrer inneren Stimme folgen. Das ist oft das Ziel eines Coachings – Sie können das schon. Herzlichen Glückwunsch.“ |
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Heilsame Schönheit: Bäume |
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„Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann und nicht beglückt sein, daß man ihn sieht?“, sagte Dostojewski. So geht’s mir auch. Deshalb zeige ich Ihnen hier besonders beglückende Bäume, an denen ich vorübergegangen bin.
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Von Wind und Wetter ist dieser Bergahorn gezeichnet. Er gleicht einer Ruine. Sein halber Stamm fehlt. Und doch lebt er. Er ist ein Prachtbeispiel für Resilienz, um dieses Modewort zu bemühen. Ich bin ihm an Neujahr begegnet und werde ihn im Frühjahr wieder besuchen, um mich an seiner Ekstase des Austriebs neuer Blätter zu erfreuen. Oberhalb des Walchsees im Tiroler Kaiserwinkel |
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„Das Wasser, das getrunken wird, um eine Pille zu hinunterschlucken, wirkt bei einem dehydrierten Körper sehr viel unmittelbarer als die chemischen Bestandteile der Tablette!“ Der iranisch-amerikanische Arzt Fereydoon Batmanghelidj |
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Lesefrucht: Gerede, nur Gerede! |
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Vor ein paar Tagen war ich in Münchens größter Buchhandlung und hab’ einen Reiseführer gekauft. Dabei kam ich an der Philosophie-Abteilung vorbei, die recht klein ist. Die benachbarte Abteilung „Fantasy“ ist viermal so groß, auch „Reise“ oder „Krimis“ nehmen weit mehr Raum ein.
Da ich in grauer Vorzeit – von 1982 bis 1992 – Philosophie studiert habe, schaute ich neugierig, was da so im Regal steht. Ich staunte nicht schlecht. Und mit dem „Staunen“ nimmt laut Aristoteles die Philosophie ihren Anfang. Staunen über das, was ist. Jedes Kind ist deshalb ein Philosoph, denn es staunt ungebremst und stellt dann frisch und frech die Grundfrage aller Philosophie: „Warum?“
In der Abteilung „Philosophie“ gibt es so gut wie keine Philosophie-Werke, also Bücher von Philosophen. Kein Heraklit, kein Aristoteles, kein Descartes, kein Kant, kein Schopenhauer, kein Wittgenstein. Nietzsches „Zarathustra“ und ein paar Reclam-Bändchen von Platon und Marc Aurel gehen unter im Wust der Bücher über vermeintlich philosophische Themen.
Die Titel sagen alles: „Aristoteles to go“, „Das Mindset der Stoiker“, „50 philosophische Erkenntnisse, die das Leben leichter machen“, „Der finanzielle Stoiker“, „Die Not-To-Do-Liste“. Also Häppchen, Schnipsel und Zerhacktes, das in den Abteilungen Wellness-Gesäusel, Selbst-Optimierung und Party-Wissen besser aufgehoben wäre.
So wie es zur Kunst keine Abkürzung gibt, gibt es auch zur Philosophie keine Abkürzung. Man gelangt zu ihr nur über die eigene Lektüre der Originale. Zusammenfassungen, Vereinfachungen, „To-go“-Machwerke sind Sackgassen. So wenig wie die Beschreibung eines Weines, das Foto einer schönen nackten Frau oder ein Bericht über einen Autounfall auch nur einen Hauch von der wirklichen Sache vermitteln, so wenig tun das Zusammenfassungen von philosophischen Werken und deren Plünderungen, zu denen die Marketing-Abteilungen von Verlagen anstiften.
Warum? Weil ihnen die Bewegung des Gedankens, das Abenteuer des Denkens und die Lust am Disput fehlen.
Was da im Regal steht, ist das, was Martin Heidegger (1896–1976) „Gerede“ nennt. Heidegger war der letzte wirkliche Philosoph. Nach ihm gibt es nur noch Philosophie-Professoren, Philosophie-Autoren, Talk-Show-Schwätzer und Podcast-„Philosophen“ – mit anderen Worten: Richard David Prechts und in deren Gefolge das KI-Gerede, das der Höhepunkt, besser: der neue Tiefpunkt des Geredes ist.
Als Gegengift für Sie heute ein Auszug aus dem Kapitel „Das Gerede“ aus Martin Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“ von 1926. Der Philosoph hat das Wort:
„Gerede kann verstanden werden, ohne daß sich der Hörende in ein ursprünglich verstehendes Sein zum Worüber der Rede bringt. Man versteht nicht so sehr das beredete Seiende, sondern man hört schon nur auf das Geredete als solches. Dieses wird verstanden, das Worüber nur ungefähr, obenhin; man meint dasselbe, weil man das Gesagte gemeinsam in derselben Durchschnittlichkeit versteht.
Und weil das Reden den primären Seinsbezug zum beredeten Seienden verloren bzw. nie gewonnen hat, teilt es sich nicht mit in der Weise der ursprünglichen Zueignung dieses Seienden, sondern auf dem Wege des Weiter- und Nachredens.
Das Geredete als solches zieht weitere Kreise und übernimmt autoritativen Charakter. Die Sache ist so, weil man es sagt. In solchem Nach- und Weiterreden, dadurch sich das schon anfängliche Fehlen der Bodenständigkeit zur völligen Bodenlosigkeit steigert, konstituiert sich das Gerede. Und zwar bleibt dieses nicht eingeschränkt auf das lautliche Nachreden, sondern breitet sich aus im Geschriebenen als das ,Geschreibe’.
Das durchschnittliche Verständnis des Lesers wird nie entscheiden können, was ursprünglich geschöpft und errungen und was nachgeredet ist. Die Bodenlosigkeit des Geredes versperrt ihm nicht den Eingang in die Öffentlichkeit, sondern begünstigt ihn.
Das Gerede, das jeder aufraffen kann, entbindet von der Aufgabe echten Verstehens.“ |
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In meinem Newsletter-Archiv Gedanken und Spitzen finden Sie die besten Beiträge vergangener Ausgaben.
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