In diesem Beitrag wird es sehr persönlich, schließlich geht es in meinem Newsletter um persönliches Wachstum. Heute treibt mich die Kriegsbesoffenheit, die sich in den letzten Wochen immer mehr ausbreitet, an die Tasten, denn sie ist das Gegenteil jeder Art persönlichen Wachstums.
Derzeit beschert das Kriegsministerium, das sich bei uns schönfärbend „Verteidigungsministerium“ nennt, der Düsseldorfer Werbeagentur Castenow einen Geldregen. Mit Steuergeld, das uns Bürgern mit Gewalt weggenommen wird, flutet diese Agentur derzeit mit der Propaganda-Kampagne „70 Gründe für die Bundeswehr“ die Gehirne und Herzen. Da braucht es ein gutes Werte-Immunsystem, um durch dieses Virus nicht krank zu werden.
Die Düsseldorfer Reklame-Profis preisen die Bundeswehr als „attraktiven Arbeitgeber, der Sinnstiftung und Qualifizierung bietet“. Damit diese frohe Botschaft die Schäfchen erreicht, für die sie gedacht ist, gibt es „aufmerksamkeitsstarke Headlines und authentische Momentaufnahmen, die den Teamgeist und die Einsatzbereitschaft der Bundeswehrangehörigen vermitteln“.
Militär schadet Ihrer Gesundheit
Zigaretten-Werbung muß die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens nennen, Militär-Werbung muß das nicht. Warum? Ich hätte ein paar Vorschläge für Warnhinweise zur Bundeswehr-Reklame:
- Bundeswehr kann tödlich sein.
- Militärdienst kann zu einem schmerzhaften Tod führen.
- Militärdienst läßt Ihre Haut altern.
- Gewehrkugeln enthalten Blei.
- Ein Granatsplitter im Unterleib kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz.
- Militärische Gewalt fügt den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.
Aus der Argumentations-Psychologie wissen wir: Je mehr Begründungen jemand für sein Handeln gibt, um so mehr lügt er, versteckt er seine wahren Motive.
Sie laden einen Freund zu einer Party ein. Dieser Freund mag ihre Parties überhaupt nicht, sagt ihnen das aber nicht, sondern nennt ihnen viele gute Gründe, warum er leider nicht kommen kann: Der Hund ist krank und das Auto kaputt, zudem muß er am nächsten Morgen früh raus und obendrein hat er Rückenschmerzen usw. usf.
Wann immer Ihnen jemand mehrere Gründe für eine Entscheidung nennt, sollten Sie aufhorchen, denn das ist ein Hinweis darauf, daß er den wahren Grund nicht nennt. Kurzum: Wer 70 Gründe für etwas aufbietet, hat keinen wirklich guten oder will den wahren Grund verbergen.
Eine Form der Zwangsarbeit
Gegen den Wehr-Zwang brauche ich nur einen Grund. Anmerkung: Ich spreche ganz bewußt von Wehr-Zwang und nicht von Wehr-„Pflicht“, denn in Deutschland ist es schlechte Gewohnheit, staatlich auferlegte Zwänge als „Pflicht“ zu verharmlosen. So bekommt der auf Gewalt basierende Zwang einen moralischen Anstrich. Denken Sie an die Schul-„Pflicht“: Wenn Sie Ihr Kind nicht der ideologischen Abrichtung einer Schule aussetzen und es lieber selbst unterrichten, haben Sie schneller die Polizei im Haus, als wenn Sie auf einem Schulhof Drogen verkaufen.
Also: Ich brauche nur einen Grund gegen den Wehr-Zwang, und der lautet wie folgt: Ein staatlich erzwungener Militärdienst ist ein unzulässiger Eingriff in die Rechte des Individuums auf seinen Körper, seine Zeit und seine Arbeit – er ist somit eine Form der Zwangsarbeit.
Hinter diesem einen Grund stehen 2.500 Jahre kritisches und freiheitliches Denken der klügsten Köpfe der Menschheit von den Vorsokratikern bis heute. Also etwas, wovon die Lohnschreiber in Werbeagenturen und deren Auftraggeber im Ministeriun keine Ahnung haben. Werbung und Bildung schließen sich meist ebenso aus wie Politik und Bildung.
Furchtbare Ärzte
Bei meiner Geburt 1962 sagte der Arzt, als er mich mit der damals bei Geburten üblichen Gewalt dazu zwang, den ersten Schrei zu tun, zu meiner Mutter: „Das wird mal ein strammer Soldat!“ Ja, so sind viele Ärzte, nicht nur, wenn sie noch in der Hitlerjugend sozialisiert wurden: Menschen sind ihnen „Material“ für die Zwecke anderer ...
Meine Mutter hat ihren Vater mit sechs Jahren zum letzten Mal gesehen. Das war 1943, als er – ein Soldat der Wehrmacht – auf Heimaturlaub war. Danach hat ihn die Ostfront verschlungen. Sie erinnern sich: Die bösen Russen haben damals Deutschland überfallen …
Das Foto meines Opas, den ich nie kennenlernen durfte, hing bis in die 1970er Jahre in unserem Wohnzimmer. Perverserweise trug er darauf die Wehrmachtsuniform, die ihn umgebracht hat, denn das war das einzige Foto von ihm, das die Wirren des Kriegsendes überlebt hat.
Meine Mutter hat keiner politischen Führung, ganz gleich, welches Etikett diese sich anklebt, ein Kind geschenkt. Denn Kinder gehören keinem Staat und keiner Regierung. Ich wurde ein strammer Kriegsdienstverweigerer. Mein Grundrecht nach Artikel 4, Absatz 3 des Grundgesetzes mußte ich in zwei tribunalartigen Verhandlungen rechtfertigen. Die dünn gestrickten und größtenteils lächerlichen „Argumente“ derer, die da meinten, mein Gewissen prüfen zu können und die teilweise Uniform trugen, also befangen waren, haben mich schon mit achtzehn entsetzt.
Wer führt Kriege?
Wer hat im 20. Jahrhundert die meisten Menschen ermordet? Die Mafia, Drogen-Kartelle oder sonstige Verbrecher-Organisationen? Nein, es waren Regierungen! Regierungen haben allein im 20. Jahrhundert 207,5 Millionen Menschen ermordet! Das ist das Ergebnis der Forschungen des Politikwissenschaftlers Rudolph J. Rummel (siehe sein Buch „Death by Government“).
Sobald die Macht einer Regierung im Inneren zu bröseln beginnt, braucht diese Regierung einen Feind im Außen, auf den sie die Unzufriedenheit der Bürger lenken kann. Gibt es keinen Feind und keine Bedrohung, erschafft man sie. Das Mittel dafür ist Propaganda.
Die Partei Die Partei hat es im letzten Bundestagswahlkampf auf den Punkt gebracht mit ihrem Wahlplakat „Kein Weltkrieg ohne Deutschland“. Die Partei meinte es satirisch – ob das alle begriffen haben?
Mit anderen Worten: Es gibt Kriege, weil Regierungen sie zum Machterhalt brauchen und weil gleichermaßen feige wie gehorsame „Bürger“ (besser: Untertanen) glauben, was ihre Regierungen ihnen mittels Schule, Radio, Fernsehen, Zeitungen und Internet erzählen.
Könnte ein Staatsoberhaupt allein oder mit seinem engsten Umfeld einen Krieg führen? Nein! Staaten und deren Regierungen brauchen Menschen, die gehorchen. Befehlsempfänger. Ist man Teil der Militär-Maschine, gibt es bei einem Befehl kein eigenes Denken und kein eigenes Urteil mehr. Es ist das Ende jeder Art persönlichen Wachstums.
Vom preußischen König Friedrich II. ist uns eine bezeichnende Geschichte überliefert: Er stand mit seinen Generälen auf dem Feldherrnhügel und sah auf ein Schlachtfeld hinab, auf dem dreißigtausend seiner Soldaten kämpften. Friedrich wandte sich an seine Generäle und sagte sinngemäß: Da unten sind tausende bewaffnete Männer. Die könnten uns alle ganz einfach töten, und der Krieg und ihre Leiden wären beendet. Doch sie tun es nicht. Warum? Weil sie Angst vor uns haben!
Herrschaft durch Angst ist bis heute das erste Mittel der Wahl, wenn Machthaber ihre Macht bewahren wollen. Die tagtägliche Angst-Pornografie der Medien (Klima, Viren, Rußland, Vogelgrippe usw.) unterstützt sie darin. Honi soit qui mal y pense …
Die Essenz des Staates – egal, welches Namensschild er trägt – hat Friedrich Nietzsche 1883 formuliert wie keiner vor ihm und keiner nach ihm: „Der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er's. Falsch ist alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beißt er, der Bissige. Ja, ein Sterben für viele hat er erfunden, das sich selber als Leben preist! Staat nenne ich's, wo alle sich selbst verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord aller das ,Leben’ heißt. Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist.“
Meine Frage an alle staatsgläubigen Militär-Freunde: Schaffen wir’s dieses Mal bis Moskau? |