Seitenblick - Der Newsletter von Odysseus Kinesiologie & Coaching

Vaterliebe, eine kranke App und Kriegslüsternheit

Meine Themen heute für Sie: Wie Väter ihre Liebe zeigen | Die Krankenkasse als Dealer? | Wer führt Kriege? Heilsame Schönheit: Bäume tun uns gut | Körper und Seele bei Teresa von Ávila | Reife und unreife Eltern | Viel Vergnügen beim Lesen!

Dieser Newsletter ist zu 100 Prozent frei von KI. Was Sie hier lesen, ist auf meinem Mist gewachsen. Und bekanntlich wachsen auf dem Mist die schönsten Rosen.

Eine Bitte: Wenn Sie jemanden kennen, den das, was ich hier erzähle, interessiert, leiten Sie ihm diesen Newsletter weiter. Dankeschön!

Wolfgang Halder, Odysseus Kinesiologie & Coaching

Vaterliebe und Kindesleid

Es ist noch nicht lange her, da gab es eine klare Arbeitsteilung in einer Ehe: Die Frau kümmerte sich um Kinder und Heim, der Mann verdiente das Geld. Ein Vater hat seine Liebe zu seinen Kindern dadurch ausgedrückt, daß er viel und hart gearbeitet hat, damit seine Kinder ein gutes Leben haben.

Ausweis des „guten Lebens“ für die Kinder waren ein eigenes Haus und die Finanzierung einer guten Ausbildung. Der Preis dafür war oft hoch – für beide: Väter und Kinder. Dazu zwei Geschichten aus meiner Praxis.

Michaela B., Mitte fünfzig, erzählt aus ihrer Kindheit. Bis zu ihrem achten Lebensjahr lebte sie in einer Wohnung im 6. Stock eines Hochhauses. Die Enge der Wohnung spielte keine Rolle für sie, denn sobald sie nach unten und draußen ging, traf sie auf andere Kinder. Immer war jemand zum Spielen da. Sie hatte viele Freunde, fühlte sich wie ein Fisch im Wasser. Es war ihr Paradies.

Doch der Vater wollte es seinen drei Kindern nicht zumuten, unter solch schlechten Verhältnissen – kleine Wohnung, Hochhaus, verrufenes Viertel – aufzuwachsen. Also arbeitete er bis zum Umfallen, um das Geld für ein Eigenheim zu verdienen: ein freistehendes Haus mit Garten in einem Vorort. Sein Paradies für seine Frau und seine Kinder. Endlich hatte er es geschafft, sie zogen um ins gute Viertel.

Für Michaela B. war das das Ende ihrer lebendigen Kindheit. Sie verlor ihre Freunde, die nun weit weg waren. Jede Begegnung mit anderen Kindern mußte organisiert werden, war ein Aufwand und Umstand.

Das Haus im Grünen, mit dem ihr Vater seine Liebe für seine Familie aller Welt zeigte, war für sie ein Gefängnis.

Die zweite Geschichte: Stefan H., Anfang sechzig, berichtet von der Auflösung seines Elternhauses nach dem Tod der Eltern. Dabei fand er einen Brief, den seine ältere Schwester in kindlicher Verzweiflung auch in seinem Namen an die Eltern geschrieben hatte.

Der Grund: Der Vater arbeitete sehr viel und machte abends und am Wochenende Weiterbildungen, so daß ihm keine Zeit für die Kinder blieb. Alles mit dem Ziel, das Haus abzuzahlen und seinen beiden Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Das hat er geschafft. Beide konnten studieren, das Haus war schon seit Jahrzehnten schuldenfrei, als er starb. Er war sehr stolz auf sein Lebenswerk.

Im vergilbten Brief an die Eltern – der Klient hat ihn mir gezeigt – sprechen die Kinder ihre Not aus: In der ungelenken Schrift einer Neunjährigen steht auf einem linierten, aus einem Schulheft gerissenen Blatt mit blauer Tinte geschrieben die erschütternde Bitte: „Papi soll weniger arbeiten. Wir brauchen nicht so viel Geld. Papi soll lieber bei uns sein!“

Väter dieser Generation haben ihre Kinder bei der Geburt verloren, weil sie kaum Zeit mit ihnen verbringen und nicht Teil ihres Lebens sein konnten. Nicht, weil sie das nicht wollten, sondern weil sie aus ökonomischer Notwendigkeit nicht anders konnten bzw. weil sie ihre Liebe zu ihren Kindern über das Geldverdienen für ihre Kinder ausdrückten.

Doch wenn ein Vater nur abends ein oder zwei Stunden im Haus ist, ist er nicht wirklich Teil der Familie. Feministinnen nennen diese schmerzhafte Abwesenheit der Väter patriarchalische Männer-Macht ...

Lesen Sie zum Thema Eltern auch den Beitrag „Reife und unreife Eltern“ weiter unten.

Technik vor Mensch

Meine Krankenkasse, die Techniker, macht ihrem Namen gerade alle Ehre. In ihrem aktuellen Mitglieder-Magazin zeigt sie, daß es ihr um Technik geht, nicht um Menschen.

Die Techniker preist eine eigene App wie folgt an: Die App Aumio unterstützt Kinder dabei, mit Gefühlen wie Frust, Angst oder Überforderung besser umzugehen“. Damit reiht die Techniker sich meiner Meinung nach ein in die Gruppe der Digital-Drogen-Händler, deren Produkte unsere Kinder abhängig machen und ihre Gesundheit zerstören können.

Anmerkung: Meine Rechtsabteilung hat mir geraten, im obigen Absatz das „meiner Meinung nach“ einzufügen, um keine Probleme mit der Rechtsabteilung der Krankenkasse zu bekommen. Dadurch wird der Text holprig, doch so ist das – meiner Meinung nach – immer, wenn die Rechtsabteilung sich einmischt …

Wenn Kinder von Gefühlen wie Frust, Angst und Überforderung überwältigt werden, brauchen sie keine App, sondern Vater und Mutter, Oma und Opa, Bruder und Schwester und Freunde. Kurzum: Kinder brauchen Menschen, die ihr Leid verstehen und mit denen sie in Resonanz gehen können, so daß sie lernen mit starken Gefühlen umzugehen.

Eine App ist das Gegenteil. Danke Kranken-Kasse!

Auf nach Moskau?

In diesem Beitrag wird es sehr persönlich, schließlich geht es in meinem Newsletter um persönliches Wachstum. Heute treibt mich die Kriegsbesoffenheit, die sich in den letzten Wochen immer mehr ausbreitet, an die Tasten, denn sie ist das Gegenteil jeder Art persönlichen Wachstums.

Derzeit beschert das Kriegsministerium, das sich bei uns schönfärbend „Verteidigungsministerium“ nennt, der Düsseldorfer Werbeagentur Castenow einen Geldregen. Mit Steuergeld, das uns Bürgern mit Gewalt weggenommen wird, flutet diese Agentur derzeit mit der Propaganda-Kampagne 70 Gründe für die Bundeswehr die Gehirne und Herzen. Da braucht es ein gutes Werte-Immunsystem, um durch dieses Virus nicht krank zu werden.

Die Düsseldorfer Reklame-Profis preisen die Bundeswehr als „attraktiven Arbeitgeber, der Sinnstiftung und Qualifizierung bietet“. Damit diese frohe Botschaft die Schäfchen erreicht, für die sie gedacht ist, gibt es „aufmerksamkeitsstarke Headlines und authentische Momentaufnahmen, die den Teamgeist und die Einsatzbereitschaft der Bundeswehrangehörigen vermitteln“.

Militär schadet Ihrer Gesundheit

Zigaretten-Werbung muß die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens nennen, Militär-Werbung muß das nicht. Warum? Ich hätte ein paar Vorschläge für Warnhinweise zur Bundeswehr-Reklame:

  • Bundeswehr kann tödlich sein.
  • Militärdienst kann zu einem schmerzhaften Tod führen.
  • Militärdienst läßt Ihre Haut altern.
  • Gewehrkugeln enthalten Blei.
  • Ein Granatsplitter im Unterleib kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz.
  • Militärische Gewalt fügt den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

Aus der Argumentations-Psychologie wissen wir: Je mehr Begründungen jemand für sein Handeln gibt, um so mehr lügt er, versteckt er seine wahren Motive.

Sie laden einen Freund zu einer Party ein. Dieser Freund mag ihre Parties überhaupt nicht, sagt ihnen das aber nicht, sondern nennt ihnen viele gute Gründe, warum er leider nicht kommen kann: Der Hund ist krank und das Auto kaputt, zudem muß er am nächsten Morgen früh raus und obendrein hat er Rückenschmerzen usw. usf. 

Wann immer Ihnen jemand mehrere Gründe für eine Entscheidung nennt, sollten Sie aufhorchen, denn das ist ein Hinweis darauf, daß er den wahren Grund nicht nennt. Kurzum: Wer 70 Gründe für etwas aufbietet, hat keinen wirklich guten oder will den wahren Grund verbergen.

Eine Form der Zwangsarbeit

Gegen den Wehr-Zwang brauche ich nur einen Grund. Anmerkung: Ich spreche ganz bewußt von Wehr-Zwang und nicht von Wehr-„Pflicht“, denn in Deutschland ist es schlechte Gewohnheit, staatlich auferlegte Zwänge als „Pflicht“ zu verharmlosen. So bekommt der auf Gewalt basierende Zwang einen moralischen Anstrich. Denken Sie an die Schul-„Pflicht“: Wenn Sie Ihr Kind nicht der ideologischen Abrichtung einer Schule aussetzen und es lieber selbst unterrichten, haben Sie schneller die Polizei im Haus, als wenn Sie auf einem Schulhof Drogen verkaufen.

Also: Ich brauche nur einen Grund gegen den Wehr-Zwang, und der lautet wie folgt: Ein staatlich erzwungener Militärdienst ist ein unzulässiger Eingriff in die Rechte des Individuums auf seinen Körper, seine Zeit und seine Arbeit – er ist somit eine Form der Zwangsarbeit

Hinter diesem einen Grund stehen 2.500 Jahre kritisches und freiheitliches Denken der klügsten Köpfe der Menschheit von den Vorsokratikern bis heute. Also etwas, wovon die Lohnschreiber in Werbeagenturen und deren Auftraggeber im Ministeriun keine Ahnung haben. Werbung und Bildung schließen sich meist ebenso aus wie Politik und Bildung.

Furchtbare Ärzte

Bei meiner Geburt 1962 sagte der Arzt, als er mich mit der damals bei Geburten üblichen Gewalt dazu zwang, den ersten Schrei zu tun, zu meiner Mutter: „Das wird mal ein strammer Soldat!“ Ja, so sind viele Ärzte, nicht nur, wenn sie noch in der Hitlerjugend sozialisiert wurden: Menschen sind ihnen „Material“ für die Zwecke anderer ...

Meine Mutter hat ihren Vater mit sechs Jahren zum letzten Mal gesehen. Das war 1943, als er – ein Soldat der Wehrmacht – auf Heimaturlaub war. Danach hat ihn die Ostfront verschlungen. Sie erinnern sich: Die bösen Russen haben damals Deutschland überfallen

Das Foto meines Opas, den ich nie kennenlernen durfte, hing bis in die 1970er Jahre in unserem Wohnzimmer. Perverserweise trug er darauf die Wehrmachtsuniform, die ihn umgebracht hat, denn das war das einzige Foto von ihm, das die Wirren des Kriegsendes überlebt hat.

Meine Mutter hat keiner politischen Führung, ganz gleich, welches Etikett diese sich anklebt, ein Kind geschenkt. Denn Kinder gehören keinem Staat und keiner Regierung. Ich wurde ein strammer Kriegsdienstverweigerer. Mein Grundrecht nach Artikel 4, Absatz 3 des Grundgesetzes mußte ich in zwei tribunalartigen Verhandlungen rechtfertigen. Die dünn gestrickten und größtenteils lächerlichen „Argumente“ derer, die da meinten, mein Gewissen prüfen zu können und die teilweise Uniform trugen, also befangen waren, haben mich schon mit achtzehn entsetzt.

Wer führt Kriege?

Wer hat im 20. Jahrhundert die meisten Menschen ermordet? Die Mafia, Drogen-Kartelle oder sonstige Verbrecher-Organisationen? Nein, es waren Regierungen! Regierungen haben allein im 20. Jahrhundert 207,5 Millionen Menschen ermordet! Das ist das Ergebnis der Forschungen des Politikwissenschaftlers Rudolph J. Rummel (siehe sein Buch „Death by Government“).

Sobald die Macht einer Regierung im Inneren zu bröseln beginnt, braucht diese Regierung einen Feind im Außen, auf den sie die Unzufriedenheit der Bürger lenken kann. Gibt es keinen Feind und keine Bedrohung, erschafft man sie. Das Mittel dafür ist Propaganda.

Die Partei Die Partei hat es im letzten Bundestagswahlkampf auf den Punkt gebracht mit ihrem Wahlplakat Kein Weltkrieg ohne Deutschland. Die Partei meinte es satirisch – ob das alle begriffen haben?

Mit anderen Worten: Es gibt Kriege, weil Regierungen sie zum Machterhalt brauchen und weil gleichermaßen feige wie gehorsame „Bürger“ (besser: Untertanen) glauben, was ihre Regierungen ihnen mittels Schule, Radio, Fernsehen, Zeitungen und Internet erzählen.

Könnte ein Staatsoberhaupt allein oder mit seinem engsten Umfeld einen Krieg führen? Nein! Staaten und deren Regierungen brauchen Menschen, die gehorchen. Befehlsempfänger. Ist man Teil der Militär-Maschine, gibt es bei einem Befehl kein eigenes Denken und kein eigenes Urteil mehr. Es ist das Ende jeder Art persönlichen Wachstums.

Vom preußischen König Friedrich II. ist uns eine bezeichnende Geschichte überliefert: Er stand mit seinen Generälen auf dem Feldherrnhügel und sah auf ein Schlachtfeld hinab, auf dem dreißigtausend seiner Soldaten kämpften. Friedrich wandte sich an seine Generäle und sagte sinngemäß: Da unten sind tausende bewaffnete Männer. Die könnten uns alle ganz einfach töten, und der Krieg und ihre Leiden wären beendet. Doch sie tun es nicht. Warum? Weil sie Angst vor uns haben!

Herrschaft durch Angst ist bis heute das erste Mittel der Wahl, wenn Machthaber ihre Macht bewahren wollen. Die tagtägliche Angst-Pornografie der Medien (Klima, Viren, Rußland, Vogelgrippe usw.) unterstützt sie darin. Honi soit qui mal y pense

Die Essenz des Staates – egal, welches Namensschild er trägt – hat Friedrich Nietzsche 1883 formuliert wie keiner vor ihm und keiner nach ihm: Der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er's. Falsch ist alles an ihm; mit gestohlenen Zähnen beißt er, der Bissige. Ja, ein Sterben für viele hat er erfunden, das sich selber als Leben preist! Staat nenne ich's, wo alle sich selbst verlieren, Gute und Schlimme: Staat, wo der langsame Selbstmord aller das ,Leben’ heißt. Dort, wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist.“

Meine Frage an alle staatsgläubigen Militär-Freunde: Schaffen wir’s dieses Mal bis Moskau?

Heilsame Schönheit: Bäume

„Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann und nicht beglückt sein, daß man ihn sieht?“, sagte Dostojewski. So geht’s mir auch. Deshalb zeige ich Ihnen hier besonders beglückende Bäume, an denen ich vorübergegangen bin. 

Bergahorn

Welch Lebenskraft! Dieser Robinie fehlt nahezu alles, was ein Baum zum Leben braucht: kaum Licht, kaum Erde, kaum Wasser. Trotzdem wächst sie in diesem Winkel einer Befestigungsmauer aus dem 14. Jahrhundert und hat sogar noch Ende November Blätter.
Beim Strahov-Kloster in Prag

Gedanken-Pfeil

„Laßt uns gut zu unserem Körper sein, damit die Seele gern in ihm wohnt.“
Teresa von Ávila (1515-1582)

Lesefrucht: Reife und unreife Eltern

Nahezu jeder hat mit seinen Eltern noch ein Hühnchen zu rupfen, weil es eine große Portion unerledigte Angelegenheiten gibt. Diese Angelegenheiten sind voller Schmerz und Leid, die dominierenden Gefühle dabei sind meist Wut und Trauer

In der Regel rühren diese Verletzungen in der Kindheit daher, daß Eltern ihrer Aufgabe des Elternseins nicht gewachsen waren, weil sie selbst unreif waren.

Zum Thema reife und unreife Eltern präsentiere ich Ihnen heute kluge Worte einer Münchner Psychotherapeutin. Sie hat unter dem Pseudonym Andrea Jolander das ebenso unterhaltsame wie lehrreiche Buch Da gehen doch nur Bekloppte hin – Aus dem Alltag einer Psychotherapeutin“ geschrieben. Vorhang auf:

„Nahezu alle meine Patienten haben eines gemeinsam: Sie haben unreife Eltern. Je unreifer Ihre Eltern waren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß Sie im Laufe Ihres Lebens in Lebenskrisen geraten, in denen es sinnvoll wäre, eine Psychotherapie zu machen.

Eltern sind dazu da, einem Kind die Welt und sich selbst zu erklären. Unreife Eltern können das nicht. Sie konnten ihrem Kind nur beibringen, was ihrem eigenen Reifegrad entsprach.

Für Patienten ist es oft schwer zu akzeptieren, daß für ihre aktuellen Probleme vielleicht etwas verantwortlich ist, woran sie sich gar nicht mehr erinnern können. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wenn ich privat Menschen kennenlerne, die Stein und Bein schwören, was in ihrer Kindheit geschehen sei, spiele für sie keine Rolle mehr. Nach etwas Alkohol erzählen sie den Rest des Abends vom Vater, der immer nur Interesse für den älteren Bruder gezeigt hat.

Unfähige Eltern hatten selbst unfähige Eltern. Wir geben den Eltern nicht die Schuld daran, wenn es ihnen nicht gelungen ist, einen glücklichen selbstbewußten Menschen aus unserem Patienten zu machen. Sie haben es so gut gemacht, wie sie konnten.

Was bedeutet ,reif’ sein und was heißt es, erwachsen zu sein? Erwachsensein bedeutet, für sich selbst und andere Verantwortung übernehmen zu können. Es bedeutet auch, seine Impulse zu kontrollieren. Unreife Eltern sind irgendwo auf dem Weg zum Erwachsenwerden stecken geblieben. Oft in der Pubertät, bei manchen steckt im Körper eines Erwachsenen eine kleine verletzte Kinderseele.

Sie sind nicht imstande, die Aufgaben zu übernehmen, die mit Elternschaft einhergehen. Viele unreife Eltern verhalten sich wie genervte, mißgünstige oder sadistische ältere Geschwister.

Der Fachbegriff für das, was Therapeuten sich wünschen, lautet: die ausreichend gute Mutter. Nicht die perfekte. Die ausreichend gute Mutter haßt ihr Kind nicht, doch sie hatte bestimmt mal den Gedanken, das Kind an die Wand klatschen zu wollen. Das scheint geradezu ein Merkmal guter Eltern zu sein. Allerdings sind solche Impulse vorübergehend und vor allem wurden sie nie umgesetzt (Impulskontrolle!).

Die ausreichend gute Mutter macht das Kind nicht für Entscheidungen verantworlich, die sie selbst getroffen hat. Weder dafür, daß sie nicht verhütet hat (,Deinetwegen mußte ich meine Ausbildung abbrechen!’), noch dafür, daß sie Partnerschaftsprobleme hat (,Du bist genau wie dein Vater!’) noch für ihr Geschlecht (,Ich hätte ein Junge sein sollen’).

Um ein ausreichend gutes Elternteil zu sein, ist es nicht einmal unbedingt nötig, besondere Dinge zu tun. Mitunter qualifiziert man sich allein dadurch, daß man falsche Dinge bleiben läßt. Und schon sind wir wieder bei der Impulskontrolle.

Von mehreren Patientinnen, die große Probleme haben, ihren Körper zu akzeptieren, habe ich gehört, daß ein Elternteil ständig etwas zu kommentieren hatte.

Die Aufgabe der Eltern ist es, Wunden, die ihrem Kind von einer oft rauhen Umwelt geschlagen werden, zu heilen und ihm zu einem gesunden Selbstbewußtsein zu verhelfen.

Die ausreichend gute Mutter sieht das Kind als Geschenk, als etwas aufregend Neues, Unbekanntes, bei dem es Spaß macht zu entdecken, was alles in ihm steckt. Jedenfalls ist ein Kind nichts, das man irgendwo bestellt hat und das man zurückgeben kann, weil es nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Kinder sollen bekommen, nicht geben müssen.“

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