Seitenblick - Der Newsletter von Odysseus Kinesiologie & Coaching

Wie Coaching gelingt, Mondnacht und Geschichten einer Putzfrau

Meine Themen heute für Sie: Der Coach als Bergführer | Poesie und Musik im Kinderwunsch | Heilsame Schönheit: Bäume tun uns gut | Leiden ist leicht, glücklich sein ist schwer | Blick unter deutsche Betten | Viel Vergnügen beim Lesen!

Dieser Newsletter ist zu 100 Prozent frei von KI. Was Sie hier lesen, ist auf meinem Mist gewachsen. Und bekanntlich wachsen auf dem Mist die schönsten Rosen.

Eine Bitte: Wenn Sie jemanden kennen, den das, was ich hier erzähle, interessiert, leiten Sie ihm diesen Newsletter weiter. Dankeschön!

Wolfgang Halder, Odysseus Kinesiologie & Coaching

Hebamme und Bergführer

Coach ist ein wunderbarer Beruf für faule Menschen. Da ich selbst ein bekennender Fauler bin, darf ich das sagen.

In einem Coaching geht es um positive Veränderung und persönliches Wachstum. Wachsen kann man nur selbst, verändern kann man sich nur selbst. Kein Kind lernt dadurch laufen, daß man es ihm erklärt oder ihm ein Video zeigt. So ist es auch im Coaching. Kommt der Klient nicht ins eigene Wahrnehmen, Fühlen, Verstehen, Tun, kann ich als Coach die raffiniertesten Kapriolen aufführen, es wäre für die Katz.

Das Wichtige in einem Coaching sind nicht Fragetechniken, Abläufe oder Methoden, es ist vielmehr das Nervensystem (westlich formuliert) bzw. das Energie-Niveau (östlich formuliert) des Coaches. Mein Nervensystem, meine Energie gehen in Verbindung mit dem Nervensystem und der Energie des Klienten.

Dabei ereignet sich das Entscheidende. Es ist eine stille Kommunikation, jenseits von Worten und Gedanken und gerade deshalb besonders wirksam. Bedenkenswert: Diese Kommunikation überlebt keine technische Übertragung.

Ich verwende für meine Arbeit zwei Bilder: das der Hebamme und das des Bergführers.

Eine Hebamme empfängt das Kind nicht, trägt es nicht aus, gebiert es nicht, stillt es nicht. All das macht die Mutter. Die Hebamme begleitet sie nur auf ihrem Weg.

Noch besser gefällt mir das Bild des Bergführers, weil da die Bewegung drin ist, die für ein Coaching so essentiell ist. Veränderung braucht Bewegung. Lernen, Verstehen und Wachstum brauchen Bewegung – deshalb ist das Stillsitzen in der Schule, das Unsinnigste, was man machen kann, wenn man möchte, daß Kinder lernen. 

Was macht ein Bergführer? Trägt er seinen Kunden? Zieht oder schiebt er ihn den Berg hinauf? Steigt er gar mit ihm in die Seilbahn, um auf den Gipfel zu fahren? Nein, nichts von alledem. So ist es auch bei meiner Arbeit als Coach. Der Klient geht jeden Schritt selbst. Er bewegt sich. Ich bin nur dabei.

Hinzu kommt, daß bei einem Coaching der Berg, den ich mit einem Klienten besteige, erst während der Besteigung entsteht. Ich weiß nicht, wo der Gipfel ist und wie weit es bis zu ihm ist. Ich weiß nicht, welche kritischen Stellen es unterwegs gibt. Ich weiß nicht, ob Steinschlag droht oder ein Gewitter kommt.

Der Klient und ich gehen gemeinsam los und keiner von uns weiß, was hinter der nächsten Wegbiegung kommt: eine Schlucht, eine Steilwand, ein Schotterhang, ein Eisfeld?

Doch ich weiß, was jeweils zu tun ist an der Steilwand oder auf dem Eisfeld. Ich habe die Seile dabei und die Steigeisen, den Eispickel, die Haken und die Grödel. Weil ich schon viele Wände durchstiegen und viele Eisfelder überquert habe, weiß ich, was wann am sinnvollsten ist und wie man am besten weiterkommt.

Ganz wichtig und ganz anders als beim echten Bergführer: Mein Ziel ist es nicht, den Klienten auf den Gipfel zu führen. Mein Ziel ist es, daß er mit den Unwägbarkeiten jeder Route zurechtkommt: bei Gewitter und Sturm, bei Regen und Wind, bei Hitze und Erschöpfung.

Er soll beim Steigen und Klettern seine Kraft spüren und optimal einsetzen und mit seinen Fähigkeiten vorankommen. Dadurch wachsen sein Mut und sein Selbstvertrauen ebenso wie sein Durchhaltevermögen. Und er besteigt seinen Berg in seinem Tempo und seinem Rhythmus.

Der Klient macht die Arbeit – ich bin nur dabei.

Coaching ist mithin eine paradoxe Tätigkeit: Nur wenn ich ganz bei mir bin, kann ich beim Klienten sein. Wenn ich mich stärke und es mir energetisch gut geht, kann ich den Klienten stärken. Je mehr ich mich um mich kümmere, desto mehr hat der Klient von mir. Durch mein Bei-mir-sein findet der Klient zu sich. Er spürt sich, weil ich mich spüre. Diese Resonanz ermöglicht sein persönliches Wachstum.

In meine Stärke und Energie komme ich nicht dadurch, daß ich Fragetechniken pauke oder Methoden auswendig lerne, wie es in Coaching-Ausbildungen oft praktiziert wird. Statt dessen betreibe ich Tai Chi und Chi Gong, bewege mich viel an der Luft und in der Sonne, mache kinesiologische Aktivierungen und höre energiestarke Musik.

Tue ich all das, dann bin ich in einer Sitzung ruhig – und der Klient kann sich regulieren. Dann bin ich verbunden – und der Klient fühlt sich sicher. Dann kann ich verstehen – und der Klient fühlt sich verstanden. Dann bin ich stabil – und der Klient kann sich verändern und wachsen.

 

Musik macht schwanger

Manchmal verwende ich bei der Arbeit mit meinen Kinderwunsch-Klienten die von mir geschaffene kinesiologische Musik-Balance. Welche 50 Musikstücke darin Verwendung finden und was es damit im Detail auf sich hat, können Sie im Beitrag Musik-Balance auf meiner Internetseite lesen.

An dieser Stelle erzähle ich Ihnen davon wegen des Klavierliedes Mondnacht von Robert Schumann. Der Anlaß ist, daß mir vor wenigen Tagen eine Klientin, die die „Mondnacht“ während einer Sitzung gehört hatte, freudig mitteilte, sie sei schwanger. Das ist schon die zweite „Mondnacht“-Schwangerschaft dieses Jahr (das erste „Mondnacht“-Kind erblickt Mitte Dezember das Licht der Welt).

Da bin ich ins Nachdenken gekommen und habe beschlossen, in Zukunft mit jeder Kinderwunsch-Klientin eine „Mondnacht“-Sitzung zu machen.

Das Gedicht, das Schumann vertont hat, stammt von Joseph von Eichendorff. Es besteht aus drei Strophen in klassischem Kreuzreim und ist an formaler Schlichtheit ebensowenig zu übertreffen wie an emotionaler Wirkung:

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Eichendorffs Gedicht feiert die Lebensprinzipien Yin und Yang, also die sich gegenseitig bedingenden und ergänzenden Pole alles Lebendigen. Der Himmel (Yang) küßt die Erde (Yin); die Seele spannt die Flügel aus (Yang) und fliegt nach Haus (Yin).

Diese Verse allein erreichen schon ungeahnte Seelentiefen, doch in Verbindung mit Schumanns Musik entsteht eine Wunder-Wirkung, vor der alle Worte versagen. Vers und Musik erreichen die tiefsten Tiefen einer Frau, da, wo ein Kind entsteht, wo Samen und Ei sich küssen und die Seele endlich nach Hause kommt, zur ersehnten Schwangerschaft.

Ich bin sehr gespannt, ob es weitere „Mondnacht“-Kinder geben wird.

Heilsame Schönheit: Bäume

„Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann und nicht beglückt sein, daß man ihn sieht?“, sagte Dostojewski. So geht’s mir auch. Deshalb zeige ich Ihnen hier besonders beglückende Bäume, an denen ich vorübergegangen bin. 

Bergahorn

In prächtigem Kaisergelb präsentiert sich diese Lärche. Im alten China war Gelb die Farbe des Kaisers und Symbol seiner Macht. Solche menschlichen Eitelkeiten kümmern diese Lärche nicht. Sie ist einfach da. Und welcher Kaiser könnte ihr das Wasser reichen?
Beim Bichlersee, bayerisches Inntal

Gedanken-Pfeil

„Einer der schlimmsten Fehler, die wir machen können, ist es, uns selbst einzureden, sich schuldig zu fühlen sei eine Art Tugend. Leiden ist so ziemlich die leichteste aller menschlichen Handlungen. Glücklichsein dagegen ist die wohl schwerste unserer Aufgaben. Denn Glücklichsein bedeutet, vor Schuld nicht zu kapitulieren, sondern sich von Schuld zu befreien. Und das braucht Mut.“
Der Psychotherapeut und Autor Nathaniel Branden (1930-2014)

Lesefrucht: Unter deutschen Betten

Heute, am Totensonntag, ein Kontrastprogramm für Sie: Lustiges, Groteskes, Lächerliches, Peinliches und Amüsantes – erzählt von einer polnischen Putzfrau. Unter dem Pseudonym Justyna Polanska berichtet sie in ihrem unterhaltsamen Buch Unter deutschen Betten – Eine polnische Putzfrau packt aus über ihre Erlebnisse mit Deutschen und deren Häusern und Wohnungen. Ein schonungsloser Blick in die deutsche Volksseele. Lesen Sie selbst:

Schwarzarbeit: „Tanja K. ist Richterin und meinte beim Einstellungsgespräch: ,Sie wurden mir als verschwiegen empfohlen. Ich muß mich hundertprozentig darauf verlassen können, daß sie niemandem – und ich meine NIEMANDEM – von ihrer Tätigkeit für mich erzählen. Ansonsten bekommen WIR BEIDE große Probleme!’

Bei Hauptkommissar R. putze ich nicht nur schwarz, sondern gieße einmal die Woche auch seine Tomaten. Daß es sich dabei um Hanfpflanzen handelt, weiß ich, seit sie geblüht haben. In seiner Nachttischschublade liegen immer mehrere Plastiktütchen mit irgendwelchen Gräsern oder Pillen. Als ich ihn einmal darauf ansprach, wo er das alles herhabe, antwortete er mit schockierender Ehrlichkeit: ,Das wird bei uns doch sonst nur weggeworfen’.“

Sex: „Ich mag meinen Körper und ziehe mich gerne so an, daß ich ihn spüre. Das ist in Polen so üblich. Daß viele Deutsche uns Polinnen das vorwerfen, weiß ich gut. Wir sähen nuttig und billig aus. Beim Putzen trage ich ein modisches T-Shirt über einer Jeans. Fertig. Aber meine Haare sind immer frisiert, die Nägel sind gemacht, und ich bin geschminkt.

Das scheint schon zu reichen, um manchen Männern den Eindruck zu geben, ich sei zum Sex bereit. Egal, mit wem. Aus einem Erstgespräch am Telefon: 

Er: Beschreiben Sie sich mal ein bißchen – so äußerlich.
Ich: Ähhh … Na ja …
Er: Haben Sie einen großen Busen?
Ich: Ist doch egal, wie groß mein Busen ist, wenn ich zum Putzen kommen soll!
Er: Wie wäre es, wenn Sie jetzt kommen und mir Ihren Busen zeigen?
Ich: Äh … äh … das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder?
Er: Ich bezahle gut dafür.
Ich: Sowas mache ich nicht. Wiederhören.

Ein paar Tage später rief derselbe Mann nochmal an:

Er: Hallo, ich bin’s.
Sie: Was wollen Sie denn noch? Es kommt für mich nicht in Frage.
Er: Ja, aber wie wäre es, wenn Sie mir zuschauen, wie ich mir einen runterhole.

Überheblichkeit: „Einer meiner Kunden ist Zahnarzt mit eigener Praxis. Einmal fand ich im Badezimmer neue Handtücher mit dem Logo der Kempinski-Hotels. Offensichtlich hatte er bei einem Zahnärztekongreß ein paar mitgehen lassen. Ich fragte ihn: Wo haben Sie die denn her?
Er: Aus dem Kempinski.
Ich: Aha …
Er: Kennen Sie Kempinski? (In einem Ton, als wäre ich völlig unterbelichtet). Das ist eine internationale Hotelkette. Fünf Sterne plus.
Ich: Haben Sie mich gerade gefragt, ob ich Kempinski kenne?
Er: Ja, K-e-m-p-i-n-s-k-i. Das ist wie … na, die werden Sie wahrscheinlich auch nicht kennen … Haytt oder Steigenberger.
Ich: Ja, ich kenne Kempinski. Die Hotelkette wurde von einem Polen gegründet. Deshalb der polnische Name!
Gedacht habe ich mir dazu: Hab’ ich die Handtücher geklaut oder der Herr Doktor?“

Kleinlichkeit: „Beim Putzen ließ ich ein Glas fallen. Er war kein wertvolles Glas, nur ein altes Senfglas, das im Arzthaushalt als Trinkglas verwendet wurde. Ich sammelte die Scherben ein, wischte den Boden und warf die Überreste in den Müll. Ich schreibe in solchen Fällen normalerweise einen Zettel, aber diesmal habe ich es schlichtweg vergessen, denn ich hatte dem zerbrochenen Senfglas keine Bedeutung zugemessen. Ein grober Fehler …

Beim nächsten Mal stellte mich Herr Doktor zur Rede: Justyna! Wenn Ihnen etwas kaputtgeht, ist das kein Problem. Ich werde es Ihnen diesmal nicht vom Lohn abziehen. Aber sagen Sie es mir in Zukunft bitte sofort, damit ich ein neues Glas kaufen kann. Vom Lohn abziehen? Das war ein leeres Senfglas!“

Geiz: „Heike arbeitet bei Boston Consulting. Ich putze einmal die Woche für vier Stunden bei ihr. 36 Euro. Aber die sehe ich monatelang nicht. Stattdessen solche Sachen: Justyna, komm mal. Fällt Dir was auf? Die Hose. Gucci. Macht einen knackigen Hintern, gell? 400 Euro. Aber jeden Cent wert!

Eine Woche später: Überraschung, Justyna! Schuhe. Sind die nicht geil? Das sind meine vierten Louboutins. 350 Pfund. Ich war shoppen in London. So werden Businesstrips zum Vergnügen!

Und so weiter … Ich lege ihr alle paar Monate eine Sammelrechnung auf den Küchentisch. Da stehen die Stunden und Tage, an denen ich geputzt habe. Zusätzlich meine Ausgaben für Putzmittel, die ich in ihrem Auftrag selbst besorge. Da steht nie mehr, als eine halbe Gucci-Hose kostet.

Die Choreographie ist immer dieselbe: Sie spricht die Rechnung in der folgenden Woche gar nicht an. Also frage ich: Kannst Du mir das Geld heute geben? Antwort: Ojeojeeee. Weißt Du, das ist heute ganz schlecht. Da war der Geburtstag einer guten Freundin, und ich mußte ein Geschenk kaufen. Jetzt ist mein Konto total überzogen. Ich kann Dich nächste oder übernächste Woche bezahlen. Das ist doch kein Problem, gell? Du, ich muß jetzt auch los. Ciao.“

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