Seitenblick - Der Newsletter von Odysseus Kinesiologie & Coaching

Eine Oma, ein Kind und wahre Männer

Meine Themen heute für Sie: Im Mai werde ich wieder Vater. Praxis-Vater. Dank einer beeindruckend mutigen FrauOma im Zug – ein kostenloser Kurs in Selbstbeherrschung | Heilsame Schönheit: Bäume tun uns gut | Kinesiologie hilft Ihnen, Ihr Potential zu entfalten | Die Freude am männlichen Selbst. Viel Vergnügen beim Lesen.

Eine Bitte: Wenn Sie jemand kennen, den das, was ich hier erzähle, interessiert, leiten Sie ihm diesen Newsletter weiter. Dankeschön.

Wolfgang Halder, Odysseus Kinesiologie & Coaching

Mit Mut zum Kind

Wenn ich mir den idealen Klienten malen müßte, dann wäre es Frau Y. Sie kam im Juli 2022 mit dem Thema Kinderwunsch zu mir – am 21. Mai, also rund zwei Jahre später, ist der Geburtstermin ihres Kindes. Warum ist sie der ideale Klient? Weil sie tut, was ich ihr sage? Von wegen! Weil sie ihren Weg geht.

Das ist der Sinn meiner Arbeit: Menschen zu ermöglichen, die zu werden, die sie wirklich sind; jenseits all der falschen Selbste, die sie sich angeignet haben oder die ihnen – immer gut gemeint! – angeeignet wurden. Sind wir nicht wir selbst, werden wir krank: körperlich, emotional, geistig.

Meine Kinesiologie-Lehrerin Rosmarie Sonderegger vom IKAMED in Zürich (ich zitiere sie heute auch weiter unten bei „Kommentare kluger Kinesiologen“) sagte immer: „Jeder hat die Klienten, die er verdient“. Da kann ich nur sagen: Ich bin gesegnet

Mit Klienten, die mich überraschen und erfreuen, entzücken und verblüffen, mal verwirren (auch das gehört dazu), mir viel beibringen und die mich ständig wachsen lassen. Jede Sitzung ist ein Abenteuer für mich, denn ich weiß nie, was geschieht.

Ich werfe Steine ins Wasser. Was die Klienten mit den Wellen machen, ist ihre Sache. Sie können darauf surfen, sie umleiten, darin schwimmen, eine Gummiente draufsetzen, darunter hindurchtauchen, sie trinken, damit die Blumen gießen ... Der Möglichkeiten gibt es viele. Der Klient entscheidet – es ist sein Leben, nicht meines.

Ich bin kein Trainer, kein Beraterkein Ratgeber. Denn dann würde ich dem Klienten jeweils meine Lösung, meinen Weg empfehlen. Doch das bringt ihm nichts, da er anders ist als ich. Was bei mir funktioniert, führt bei ihm evtl. ins Chaos – und umgekehrt. 

Immer mal wieder denke ich mir in einer Sitzung: Bin ich froh, daß ich das Problem dieses Klienten nicht habe!“, weil ich keine Ahnung habe, wie ich damit umgehen sollte. Und dann erschafft der Klient eine Lösung für sich, die mir nie in den Sinn gekommen wäre ...

Deshalb an alle Klienten, die hier mitlesen: Danke, daß es Sie gibt! 

Zurück zu Frau Y. Was ist geschehen zwischen Juli 2022, als sie 39 Jahre alt war, und jetzt? Frau Y. hat sich selbst neu geboren. Sie wurde dabei ihr eigener Vater und ihre eigene Mutter. Das ist persönliches Wachstum von feinsten. Ich hab' sie als Hebamme begleitet.

Davor wurde Frau Y. einige Jahre durch die Mühlen der Reproduktionsmedizin gedreht. Immer, wenn die künstlich befruchtete und dann transferierte Eizelle sich nicht eingenistet hatte, fiel Frau Y. in ein tiefes Loch. Jedesmal tiefer. Der Streß stieg von Mal zu Mal.

Wenn ihr dann noch ihre Kinderwunsch-Ärztin feinfühlig um die Ohren knallte: Ihre Eizellen taugen nichts!, war sie verzweifelt und glaubte, alle Hoffnung auf ein Kind fahren lassen zu müssen. Nach so einer frohen Botschaft haben wir nur am Selbstwert gearbeitet. 

Frau Y. ist eine beruflich erfolgreiche Akademikerin und verfolgte parallel zum Kinderwunsch Promotionspläne. Auch hier also ein hohes Streßniveau. Das mögen Kinder, die entstehen sollen, gar nicht.

Kurz vor Weihnachten 2022 gab es einen neuen Transfer, die Feiertage waren geprägt vom nervenaufreibenden Wechselbad aus Hoffen und Bangen. Anfang Januar 2023 dann die niederschmetternde Nachricht: wieder nichts!

Nun hatte Frau Y. die Nase voll. Sie machte Pause. Pause von all dem Muß und Druck und Zwang und Streß. Ließ die Promotion Promotion sein, machte keine Hormonbehandlungen mehr, keine künstlichen Befruchtungen.

Statt dessen lebte sie! Das war die Wende vom Machen zum Geschehen lassen. Nun griff das Motto meiner Kinderwunsch-Praxis:Machen Sie Ihr Kind nicht – lassen Sie es werden.

Es dauert, bis die Wahrheit dieses einfachen Satzes einen Menschen wirklich durchdringt – nicht kognitiv, sondern bis in die letzte Körperzelle. Erst dann entfaltet er seine Wirkung.

Im August 2023 dann das „Wunder“. Frau Y., die Frau mit den Eizellen, die nichts taugen“, wurde im Urlaub auf natürlichem Wege schwanger. Mit altmodischem schönen Sex. Ganz entspannt und voller Lebensfreude. Unter solchen Umständen möchte ein Kind entstehen ...

Vor ein paar Tagen war Frau Y. bei mir – auf der Zielgeraden zur Geburt gab es noch ein Thema, das sie anschauen wollte, – und sie leuchtete wie die Sonne selbst. Nach all den Jahren der Mühen und der Qual ist sie nun einfach schwanger – was ihr und ihrem Mann immer noch „surreal“ erscheint – und trägt ihren Babybauch stolz vor sich her. Es ist ein Genuß, sie zu erleben: ihr Strahlen, ihre Kraft und vor allem ihren Ausdruck von selbstverständlicher Lebensfreude.

Frau Y. ist in der Zeit, in der wir gemeinsam gearbeitet haben, mit bewundernswertem Mut in die tiefsten und finstersten Schluchten ihres Leben gestiegen und ist dort so manchem kalten Ungeheuer begegnet. Und sie hat die Drachen besiegt.

Mit Konsequenz und Ausdauer durchschritt sie die Labyrinthe all der Irrungen und Wirrungen ihrer Familiengeschichte, bis sie den Ausgang ins Licht gefunden hat, so daß ihr Kind nun dank dem Mut seiner Mutter nur ein kleines leichtes Rucksäcklein mit transgenerationalem Familienstreß zu tragen hat. A bissl was ist immer, das ist das Leben ...

Die Folge: Eine ganz und gar komplikationsfreie Schwangerschaft. Weil Frau Y. das erste Kinderzimmer ihres Kindes – ihren Leib und ihre Seele – aufgeräumt und gut gelüftet hat. Ihr persönliches Wachstum hat den Weg dafür bereitet, daß ein Kind in ihr wachsen konnte.

Ende Mai wird sie ihr Kind in den Armen halten. Sie weiß bis heute nicht, ob es ein Bub oder ein Mädel ist, weil sie sich überraschen lassen will. Auch das ein Zeichen großer Reife, denn sie vertraut ihrem Kind, sie läßt es das werden, was es sein will.

Danke Frau Y., Sie haben mich reich beschenkt!

Wenn Oma die Rassel zückt ...

Neulich im Zug. In der Reihe vor mir sitzt eine junge Mutter mit ihrem etwa drei Monate alten Baby. Sie auf dem linken Sitz, ich auf dem rechten, so daß ich durch die Lücke zwischen den Sitzen das Gesicht ihres Kindes sehen kann, das sie auf ihrem Schoß hat.

Ich versuche, Blickkontakt zu ihm zu bekommen, doch keine Chance: Der Kleine (hellblauer Strampler!) hat nur Augen für Mama. Mit der übt er seine gut vierzig Gesichtsmuskeln. Ich schaue gebannt zu und staune über die Vielfalt und den raschen Wechsel seiner Mimik – und über seine Konzentration.

Die Mutter, deren Gesicht ich nicht sehe, hält ihren Sohn still und ist auch selbst still. Nur ihr Gesicht spricht, das sagt mehr als Worte, und der Kleine quiekt ab und an vor Vergnügen. Kein Super-Surround-Mama-Kino, sondern ein intimes Kammerspiel. Fast komme ich mir vor wie ein Voyeur bei dieser innigen Familien-Szene ...

Alles wunderbar: eine in ihr Kind verliebte Mutter, ein in Mama verliebtes Kind – ein Genuß. Doch es gibt noch jemand: die Oma. Die ist anders gestrickt als ihre Tochter. Das zeigt sich bald. Sie sitzt in der Vierergruppe der Mutter gegenüber, und ich sehe auch das Spiel ihrer Gesichtsmuskeln. Die erzählen von Neid und Eifersucht. Das kann nicht gutgehen ...

Je länger die Mutter mit ihrem Sohn flirtet, umso unruhiger wird die Oma. Sie rutscht hin und her, versucht mit Bemerkungen Teil des Mutter-Kind-Spiels zu werden. Doch die beiden haben keine Augen und Ohren für den Rest der Welt, sie sind ihr eigenes Universum.

Ich spüre, wie die Spannung steigt. Dann kommt der Satz, den ich befürchtet habe: Gib mir mal MEINEN Enkel. Die Tochter zögert, sie weiß wohl, was nun passieren wird, doch sie will keinen Konflikt mit ihrer Mutter und reicht ihr den Kleinen hinüber.

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, denn jetzt kommt das Kontrastprogramm: Oma übernimmt. Sie schleudert ihren Enkel hin und her, hoch und runter, vor und zurück und überschüttet ihn mit einem Laute- und Wort-Tsunami, daß mir nur vom Zuhören schwindelig wird.

Warum erzähle ich das hier? Weil es um persönliches Wachstum geht. Das braucht kein Erdbeben und keine Haupt- oder Staatsaktion. Das Große zeigt sich im Kleinen. Es gilt das Prinzip: Zeig mir, wie du deine Socken auf den Wäscheständer hängst – und ich sag dir, wer du bist.

Ich kann kaum hinsehen bei diesem Oma-Schleuderprogramm mit 1.500 Umdrehungen. Mein erster Impuls: Aufspringen – und den kleinen Jungen vor dieser übergriffigen Bespaßung retten. Das sagt viel über mich. Denn ich habe mit dieser Familie nichts zu tun. „Kenne“ sie seit einer Viertelstunde, werde sie nie wiedersehen.

Trotzdem quält mich diese Kindesmißhandlung. Ja, ich sehe das als Kindesmißhandlung – die fängt aus meiner Sicht bei so was schon an, denn die Oma benutzt ihren Enkel rücksichtslos für ihre Zwecke. Und das mit bestem Gewissen und dem stolzen Bewußtsein, ihm ein tolles Unterhaltungsprogramm zu liefern.

Ich würde gern die Oma packen und so in alle Himmelsrichtungen schütteln, wie sie das mit ihrem Enkel tut. Und dann, wenn sie kurz vor dem Erbrechen ist, fragen, ob ihr das gefällt. Das geht leider nicht, denn dann hätte ich die Polizei auf dem Hals ...

Also beobachte ich weiter – und leide weiter. Der Junge wird unruhig, gibt Laute des Unbehagens von sich, versucht, sich zur Mama umzudrehen, um diese auf seine Not aufmerksam zu machen. Er hat keine Chance. Also beginnt er zu weinen. Was macht die Oma? Sie setzt noch einen drauf. Zückt eine Rassel und veranstaltet vor dem Gesicht des wehrlosen Kindes eine Rassel-Orgie.

Ich nehme meine wachsende Wut wahr. Ich spüre, wie sie mir aus dem Leib in den Kopf steigt (die klassische Yang-Ausdehnung) und dort zu Worten werden will. Doch ich weiß: Wenn ich jetzt etwas sage, wird mein Ton so scharf sein, daß es eskaliert.

Meine Wut kenne ich seit gut sechzig Jahren. Lange Zeit hat sie mich überwältigt – nun tue ich, was ich im Rahmen meines kinesiologischen Wachstumsprozesses gelernt habe: Selbstberuhigung mittels Akupressur- und Energiepunkten. Da bringt mich nicht auf Null, doch weit genug unter den Siedepunkt.

Und ich schreibe in Gedanken schon diesen Text, den Sie gerade lesen. Auch das Schreiben ist für mich eine Möglichkeit der Wut-Modulation. Feder statt Pumpgun! nenne ich das. Ein wundervoller Weg, Wut zu leben.

Denn Wut wegzudrücken wäre fatal: Aus der Psychosomatik wissen wir, daß Krebszellen nicht gelebte, nicht wahrgenommene, nicht zugelassene Wut lieben – sie ist der Nährboden für bösartige Tumore.

Mittlerweile kräht der kleine Junge aus vollem Hals. Das wilde Gerassel der Oma macht ihn fertig. Die Mutter greift ein. Widerwillig gibt die Oma IHREN Enkel zurück. Schluchzend beruhigt er sich langsam in den Armen der Mutter.

Der Kleine wird ruhiger und ruhiger und schläft schließlich ein – im wonnevollen Herz-Kohärenzfeld an der Mutterbrust. Seine Ruhe überträgt sich auf mich. Den Rest der Fahrt döse ich vor mich hin und schreibe im Geist die Geschichte dieser aufwühlenden Begegnung.

Heilsame Schönheit: Bäume

„Ich verstehe nicht, wie man an einem Baum vorübergehen kann und nicht beglückt sein, daß man ihn sieht?“, sagte Dostojewski. So geht’s mir auch. Deshalb zeige ich Ihnen hier besonders beglückende Bäume, an denen ich vorübergegangen bin. 

Bergahorn

Das Naturschöne braucht keine Erläuterung. Wie dieser blühende Kirschbaum. Es ist da – und wirkt! Beim gelungenen Kunstschönen ist es genauso. Das mißlungene Kunstschöne dagegen  braucht Erklärungen, z.B. die „Konzept-Kunst“. Weil es nicht wirkt. Weil es nicht für verkörperte Menschen geschaffen ist, sondern für Kognitionsmaschinen. Also lieber schauen ... nur schauen ... auf diese Kirsche ... schauen ... und schauen ... und das Leben spüren ...
München, Isarauen beim Flaucher

K.k.K.Kommentare kluger Kinesiologen

„Kinesiologie ermöglicht den Menschen, ihre Plastizität zu aktivieren, aus der Stagnation herauszufinden und Veränderungen zu initiieren, um noch mehr sie selbst zu sein. Es geht darum, daß sich das jedem Menschen innewohnende Potential entfalten kann.“
Rosmarie Sonderegger (meine Kinesiologie-Lehrerin)

Lesefrucht: Männer. Echte Männer!

Papierbücher haben den Vorteil, daß man sie immer sieht, wenn man am Regal vorbeigeht. Ich nehme die Buchrücken naturgemäß meist nur als Farbflächen wahr. Doch manchmal, sei es beim Abstauben oder beim telefonierenden Vorbeischlendern, erhascht einer meine Aufmerksamkeit und spricht wie das Brot im Backofen bei „Frau Holle“: Zieh mich raus!

So war es dieser Tage mit den Grasblättern des amerikanischen Dichters Walt Whitman (1810-1892). Sie stehen bei mir im Flur auf Augenhöhe in der Gedichtband-Abteilung neben Sappho, Ovid, Heine, Mallarmé und Yeats. Der Aufforderung „Zieh mich raus!“ kam ich sogleich nach – und nach dem Telefonat bin ich lesend in den „Grasblättern“ versunken.

Welche Schönheit! Welche Wahrheit! Welche Kraft! jubilierte meiner Leserseele beim Wiederlesen. An dieser Schönheit, Wahrheit und Kraft will ich Sie teilhaben lassen. Auch, weil das womöglich bald nicht mehr geht. Wir erleben es wohl leider noch, daß Whitmans Verse auf „korrekt umgedichtet oder als „Hate Crime verboten werden – wie bei Astrid Lindgren und Joseph Conrad schon geschehen –, denn er spricht Dinge aus, die gemäß der dumpfbackig bildungsfreien Geschlechts-Ideologie unserer Zeit nicht sein dürfen.

Lesen Sie die folgenden Verse und fragen Sie sich, wievielen Männern dieser Art Sie in Ihrem Leben begegnet sind. Und fragen Sie sich, wie gut es uns allen – vor allem den Söhnen alleinerziehender Mütter – täte, mit solchen Männern in Kontakt zu sein.

Freuen Sie sich auf Verse voller Schönheit, die zugleich geistiger Sprengstoff sind. Wir brauchen keine „Diversen, sondern Männer wie die Whitmans. Lesen Sie – und stellen Sie Whitmans „männliches Selbst" in erkenntnisförderndem Kontrast neben Olaf S., Robert H. oder Karl L. und achten Sie darauf, was dabei in Ihnen vorgeht ...

Vorhang auf, der Dichter spricht:

„O die Freude am männlichen Selbst!
Niemandem zu dienen, niemand sich zu beugen, keinem Tyrannen, bekannt oder unbekannt,
Mit aufrechtem Gang zu gehen, federnden elastischen Schritts,
Mit ruhigem Blick oder blitzendem Aug’ zu sehen.
Mit voller tönender Stimme aus breiter Brust zu sprechen,
Mit deiner Persönlichkeit allen andern Persönlichkeiten auf Erden gegenüberzutreten.“

Stück für Stück mehr zu diesem „männlichen Selbst“ zu werden, das nenne ich persönliches Wachstum.

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